23.02.26
Das fortdauernde Winterwetter sorgt dafür, dass sich die Sanierungsarbeiten im Korridor von Hamburg nach Berlin massiv verzögern – so die DB AG. Unklar ist, inwieweit auch andere Gründe eine Rolle spielen könnten, etwa der Mangel von Baustoffen, Baumaschinen und Bauarbeitern. In jedem Fall ist der Eröffnungstermin am 30. April nicht zu halten. Am 13. März soll ein Inbetriebnahmekonzept vorgelegt werden. Wegen der dauerhaft niedrigen Temperaturen können seit Ende Dezember bestimmte Arbeiten technisch nicht durchgeführt werden.
Da die Kabelkanäle vereist und teils zugefroren sind, können zum Beispiel Kabel für die Signal- und Stellwerkstechnik nicht wie geplant verlegt werden. Auf einigen Abschnitten der Strecke reicht der Bodenfrost bis in eine Tiefe von siebzig Zentimetern. Auch Arbeiten an der Oberleitung und die Montage von Weichenantrieben sowie Signalanlagen sind seit Wochen witterungsbedingt nicht möglich.
Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand Infrastrukturplanung und -projekte, DB InfraGO: „Wir haben es hier in der Region mit dem stärksten Wintereinbruch seit mehr als 15 Jahren zu tun. Natürlich haben wir in unserem Zeitplan einen Puffer für die kalte Jahreszeit eingebaut, aber Dauerfrost und Schnee halten deutlich länger an als erwartet. Fakt ist, dass wir bei der Montage der Leit- und Sicherungstechnik aktuell hinter dem Zeitplan liegen. Das ist eine bittere Nachricht, aber es ist uns wichtig, transparent darüber zu informieren. Gemeinsam mit unseren Baupartnern setzen wir in den nächsten Wochen alles daran, den Rückstand so gut wie möglich aufzuholen.“
Sobald der stark durchgefrorene Boden vollständig wieder aufgetaut ist, müssen die witterungsbedingt verschobenen Arbeiten neu eingetaktet werden. Das Personal auf der Baustelle wird deutlich verstärkt, sobald die Temperaturen die nächsten Schritte zulassen. Gemeinsam mit den Baupartnern erarbeitet die DB InfraGO bis 13. März ein Konzept für die Inbetriebnahme. Ziel ist es, eine für Reisende und Güterverkehrsunternehmen gleichermaßen verträgliche Lösung zu finden. Dabei werden auch Wechselwirkungen mit den ab 1. Mai geplanten, umfangreichen Sanierungsarbeiten auf der Strecke Hamburg–Hannover berücksichtigt.
Diese Maßnahmen müssten bei einer Anpassung des Zeitplans für die Inbetriebnahme der Strecke Hamburg–Berlin neu eingetaktet werden, damit die Umleitungskonzepte für den Fern- und Güterverkehr zwischen den beiden größten deutschen Metropolen weiterhin funktionieren. Die SPNV-Aufgabenträger fordern vor diesem Hintergrund bei Korridorsanierungen grundsätzlich, Einschränkungen für Fahrgäste so gering wie möglich zu halten.
Die vielbefahrenen Strecken zwischen Berlin und Hamburg haben für Pendlerinnen und Pendler eine hohe Bedeutung. Das DB-eigene Konzept der Korridorsanierung sieht mehrmonatige komplette Streckensperrungen vor und geht einher mit komplexen Umleitungskonzepten, Ersatzverkehren und deutlich längeren Fahrtzeiten.
„Die nun angekündigten Verzögerungen strapazieren die Geduld von Fahrgästen erheblich. Es ist zu befürchten, dass die Eisenbahnunternehmen langfristig Kunden im Nah- und Fernverkehr verlieren. Die DB InfraGo verspielt Vertrauen zur effizienten und planmäßigen Sanierung seiner Strecken. Auch unsere Planerinnen und Planer müssen täglich und immer kurzfristig auf neue Einschränkungen reagieren und bestehende Konzepte überarbeiten,“ betont Peter Panitz, Präsident des Bundesverbands Schienennahverkehr.
Zudem haben die jetzigen Verzögerungen Auswirkungen auf andere bereits geplante Sanierungsmaßnahmen, die nun wiederum aufgeschoben und geplante Ersatzkonzepte erneut überarbeitet werden müssen. Es braucht nun schnelle Klarheit zu den zu erwartenden konkreten Auswirkungen. Die zeitlichen Abläufe bei Sanierungsmaßnahmen müssen deutlich resilienter gegenüber Störungen, wie z. B. Frosteinbrüchen im Winter, geplant werden.
Derweil weist die DB AG jede Form von Kritik an ihrem Baukonzept zurück. Selbstverständlich setze die DB AG alles daran, den durch extreme Witterung bedingten Rückstand aufzuholen und wird die Beeinträchtigungen durch eine mögliche Verlängerung der Streckensperrung so gering wie möglich halten. So werde der Konzern alle Ressourcen zur Fertigstellung der Baumaßnahme bündeln. Die Baupartner hätte bereits zusätzliche Personale aktiviert, die umgehend mit den Arbeiten beginnen können. Der für den 13. März angekündigte Terminplan soll stabil, realistisch und verlässlich sein.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de