05.03.26
Am letzten Wochenende haben die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Deutsche Bahn einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen – ganz ohne Streiks, auch ohne Warnstreiks. Die Tarifparteien verständigten sich auf eine Steigerung der Gehälter in zwei Schritten um insgesamt fünf Prozent. Zusätzlich wird es weitere Anpassungen in der Entgeltstruktur geben, die individuell wirken. Dazu gehört die Einführung einer neuen, achten Entgeltstufe und die gezielte Erhöhung von Entgelt und Zulagen für operative Personale.
Die Mitarbeiter erhalten darüber hinaus eine Einmalzahlung von 700 Euro. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrags beträgt 24 Monate, daran schließt sich eine dreimonatige Verhandlungsphase mit Friedenspflicht bis zum 31. März 2028.
„Das ist ein faires und tragfähiges Ergebnis“, sagte DB-Personalvorstand Martin Seiler. „Wir haben gerade zum Schluss intensiv gerungen, aber es ist immer konstruktiv und sachlich geblieben. Dadurch konnten wir uns zum ersten Mal seit Jahren ohne Streiks einigen. Unsere Mitarbeitenden profitieren nun von spürbaren Verbesserungen, gleichzeitig bedeutet die Einigung Planungssicherheit und Stabilität für das Unternehmen.“
Zur friedlichen Lösung mit der GDL beigetragen haben auch die gefundenen Kompromisse zur gemeinsamen Handhabung des Tarifeinheitsgesetzes. Neben einem notariellen Zählverfahren zur Mehrheitsfeststellung wurde fixiert, dass bestimmte tarifvertragliche Regelungen künftig auch für die Gewerkschaftsmitglieder gelten, die in Betrieben arbeiten, in denen vorrangig das Tarifwerk der jeweils anderen Gewerkschaft Anwendung findet. Eine Ausweitung des Geltungsbereichs der GDL-Tarifverträge in die Infrastruktur erfolgt nicht.
Mario Reiß, Bundesvorsitzender der GDL: „Mit diesem Tarifabschluss ist es gelungen, die Arbeits- und Einkommensbedingungen im Kernbetrieb der Eisenbahn nachhaltig zu verbessern. Wir stärken damit nicht nur die materielle Grundlage unserer Mitglieder, sondern setzen auch ein klares Signal für die Attraktivität der Eisenbahnberufe insgesamt. Besonders wichtig war uns, erfahrene Kolleginnen und Kollegen angemessen zu würdigen und zugleich die Nachwuchssicherung spürbar zu verbessern. Dieses Ergebnis ist ein Beitrag zur Stabilität des Systems Bahn und zur Zukunftsfähigkeit des Berufsstandes.“
Ziel war es, die Attraktivität der Eisenbahnberufe nachhaltig zu erhöhen und die Arbeits- sowie Lebensbedingungen der Beschäftigten zu verbessern. Thomas Gelling, Leiter der Tarifabteilung der GDL: „Die teilweise Abbedingung des Tarifeinheitsgesetzes ist ein bedeutender erster Schritt für tarifliche Klarheit und Betriebsfrieden. Auch GDL-Mitglieder in Minderheitsbetrieben profitieren bald von den Entgeltnormen dieses Abschlusses. Nach fünf Jahren praktischer Erfahrung mit dem TEG war es wichtig, hier wieder mehr Verlässlichkeit und Gerechtigkeit im Tarifsystem herzustellen. Das entschärft bestehende Konfliktpotenziale und stärkt die tarifliche Autonomie der Fachgewerkschaften.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de