12.03.26
Die Düsseldorfer Rheinbahn AG hat eine Partnerschaft mit den Berliner Verkehrsbetrieben AöR, der Hamburger Hochbahn AG und der Münchener Verkehrsgesellschaft mbH gestartet – sie wollen gemeinsam die Digitalisierung vorantreiben. Kritik kommt vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, der vor einem unabgestimmten Alleingang des Unternehmens warnt. Ziel der Partnerschaft ist es, öffentliche Verkehrsmittel in der Zukunft kundennah, effizient und vor allem interoperabel zu gestalten.
Dabei sollen vor allem „branchenanschlussfähige Standards“ etabliert werden. Im wesentlichen geht es dabei um den Bereich autonomes Fahren, die Mobilitätsplattform MAX, die bestehende Systeme technisch einbindet und weiterentwickelt sowie zuletzt standardisierte, offene Vertriebssysteme.
Annette Grabbe, Vorständin der Rheinbahn: „Unser Fokus liegt auf praxisnahen, skalierbaren Anwendungsfällen. Wir beteiligen uns bewusst nicht an einer fertigen Lösung, sondern an einer partnerschaftlichen Weiterentwicklung. Unser Anspruch ist es, gemeinsam mit starken Partnern offene, interoperable und branchenanschlussfähige Standards zu schaffen, die anschlussfähig für Verbünde und regionale Strukturen sind.“
Das Memorandum of Understanding tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft und ist zunächst unbefristet angelegt. Zur Vermeidung isolierter Einzelprojekte setzt die Allianz auf eine schlanke Organisation mit klar ausgerichteten Arbeitsgruppen für die definierten Anwendungsfälle. Ein Lenkungskreis aus allen Partnerstädten und ‑regionen übernimmt die übergreifende Steuerung und Koordinierung.
Das ganze ist scheinbar passiert ohne dass der VRR auch nur informiert worden ist. Man kritisiert das Unternehmen dafür, dass man den bislang gemeinsamen Weg der 33 kommunalen Verkehrsunternehmen verlassen würde. Dadurch wachse die Gefahr, dass frühere Fehler – wie die unterschiedliche Spurbreite bei Straßenbahnen und abweichende Bahnsteighöhen – nun in anderen Sektoren, etwa in Sachen Digitalisierung, erneut auftreten können.
Die vom VRR gemeinsam mit den kommunalen Verkehrsunternehmen entwickelte und bereits von vielen Betrieben genutzte Auskunfts- und Vertriebs-App, einschließlich eezy.nrw, hat für Fahrgäste einheitliche und verlässliche Standards geschaffen. Sie bündelt wichtige Kompetenzen und Ressourcen und orientiert sich an den branchenweit abgestimmten Normen des VDV und der VDV-ETS. Wer diese Grundlagen infrage stellt, riskiert Rückschritte, die die Branche um Jahre zurückwerfen würden.
„Unser Ziel muss es sein, unsere Kräfte effizient einzusetzen – für die Menschen und für die Qualität unseres Angebots, insbesondere an Rhein und Ruhr. Das gilt sowohl für das Mobilitätsangebot als auch für dessen Digitalisierung“, stellt VRR-Vorstandssprecher Oliver Wittke fest.
In Gelsenkirchen hofft man daher, dass die Rheinbahn „zu ihren regionalen Partnern zurückkehrt“. Die mandantenfähige VRR App dient als Grundlage für zahlreiche weitere Apps von Verkehrsunternehmen; auch die landesweite App Mobil NRW inklusive aller in NRW gültigen Tarife basiert darauf. Mit 1,2 Millionen registrierten Nutzern ist die VRR-App fest im Markt etabliert und genießt einen hohen Bekanntheitsgrad. Der Fokus liegt weiterhin auf einer Weiterentwicklung dieser App und einer Anpassung an die Marktbedürfnisse.
Bei der Rheinbahn indes heißt es, dass die Interessen der Fahrgäste im Mittelpunkt stünden. Annette Grabbe sagt nach der Kritik des VRR: „Unser Ziel ist ein einfacher, barrierefreier und bezahlbarer ÖPNV. Dafür bündeln wir unsere Innovationskräfte mit starken Unternehmenspartnern. Wir möchten von anderen lernen und unsere unternehmerische Erfahrung einbringen, in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus.“ Der überregionale Schulterschluss auf Ebene der Verkehrsunternehmen ergänze die Verbundstrukturen.
Grabbe: „Die Unternehmenspartnerschaft ist ein wichtiger zusätzlicher Baustein, um Innovationen verantwortungsvoll, wirtschaftlich und im Sinne von Fahrgästen und Kommunen voranzubringen. Für mich persönlich gilt dabei ein klarer Grundsatz: Lösungen im ÖPNV funktionieren nur, wenn sie auch mit Verkehrsunternehmen, Verbünden und regionalen Strukturen kompatibel sind. Genau deshalb sehe ich unsere Rolle hier eher als Bindeglied, um Perspektiven aus unserer Region in solche Diskussionen einzubringen. Diese Kooperation ist ausdrücklich offen angelegt. Wenn weitere Unternehmen oder Verbünde Interesse haben, begrüßen wir dies ausdrücklich.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de