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SBB vermeldet Rekordjahr 2025

19.03.26

Im Jahr 2025 hat die Schweizerische Bundesbahn (SBB) einen neuen Fahrgastrekord aufgestellt: Pro Tag gab es im Schnitt 1,43 Millionen Fahrten, 2024 waren es noch 1,39 Millionen. Die gestiegene Nachfrage sorgte für mehr Erträge im Personenverkehr. Demgegenüber standen höhere Betriebs‑ und Instandhaltungskosten, ein höherer Energieaufwand sowie die rückläufigen Erträge im Güterverkehr. Das Jahresergebnis fällt mit 496 Millionen Franken (2024: 275 Millionen Franken) vermeintlich hoch aus.

Rund die Hälfte dieses Betrags entfällt aber auf Einmaleffekte – sie resultieren primär aus einer Reduktion der Vorsorgeverpflichtung aufgrund des geringeren Risikos einer künftigen Sanierung der Pensionskasse. Da diese Einmaleffekte keine Cashflows erzeugen, tragen sie nicht zur Reduktion der Verschuldung bei. Operativ liegt die SBB auf Vorjahresniveau. Die Verschuldung ist dank des einmaligen Kapitalzuschusses des Bundes zur teilweisen Kompensation der Corona-bedingten Ertragsausfälle im Fernverkehr (850 Millionen Franken) und den konsequenten Spar- und Effizienzmaßnahmen der SBB gesunken. Sie beträgt 11,3 Milliarden Franken (2024: 12,1 Milliarden Franken). Trotzdem sind die Schulden nach wie vor zu hoch.

Die SBB hat angesichts steigender Kosten zu wenig erwirtschaftet, um die notwendigen Investitionen – wie beispielsweise in Rollmaterial oder Energieanlagen – aus eigener Kraft zu finanzieren. Mittelfristig ist hierfür ein jährlicher operativer Gewinn von rund 500 Millionen Franken notwendig. Deshalb muss die SBB weiter sparen und effizienter werden. Trotz über 20.000 Baustellen konnte die Pünktlichkeit 2025 im Personenverkehr auf 94,1 Prozent weiter verbessert werden (2024: 93,2 Prozent). Der neue Fahrplan in der Westschweiz wirkte sich positiv auf die Pünktlichkeit aus, große Totalsperren wurden genutzt, um Bauarbeiten effizient zu bündeln.

Die SBB zeigte ihre Leistungsfähigkeit auch bei den zahlreichen Sonderverkehren: Rund 1.600 Extrazüge wurden im Eventjahr 2025 eingesetzt. Zugleich bestehen weiterhin Herausforderungen: Züge aus dem Ausland treffen häufig verspätet in Grenzbahnhöfen wie Basel und Schaffhausen ein. Auch die Sicherheit bleibt ein zentrales Thema. Besorgniserregend ist zudem, dass die Aggressionen gegenüber Mitarbeitern in der Tendenz gröber werden und die Zahl von Cyberangriffen zunimmt.

Die SBB hat die Präsenz der Transportpolizei verstärkt, Bodycams eingeführt, Sicherheitskampagnen lanciert und in die Resilienz des Bahnsystems gegen Cyberbedrohungen investiert. Motivierte und engagierte Mitarbeiter sind der Schlüssel für eine erfolgreiche SBB. Umso erfreulicher ist die nach wie vor hohe Personalmotivation (2025 und 2024: jeweils 80 von 100 Punkten). Die SBB beschäftigt 35.770 Mitarbeiter, etwa gleich viele wie im Vorjahr (2024: 35.569 Vollzeitstellen). In den Vorjahren hat die SBB Stellen aufgebaut, zum größten Teil im operativen Bereich, beispielsweise beim Lok- und Zugpersonal. Wo Stellen nicht mehr nötig sind, baut sie die SBB ab.

Die Neuausrichtung des Güterverkehrs ist im vergangenen Jahr gestartet. Dafür leisten alle ihren Beitrag: Der Bund unterstützt mit einer befristeten Förderung des Einzelwagenladungsverkehrs, Kunden tragen mit kostendeckenden Preisen und die SBB mit Investitionen, Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen dazu bei. Das Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) hat Ende Januar 2026 die Eckwerte zur Botschaft über den Bahnausbau (Verkehr ’45) bekannt gegeben.

Die SBB begrüßt, dass Ausbauprojekte priorisiert werden. Detaillierter wird sich die SBB im Rahmen der Vernehmlassung äußern, die voraussichtlich im Juni 2026 startet. Die Basis für den Ausbau ist der Substanzerhalt. Denn ohne ausreichende Mittel für Unterhalt und Erneuerung werden Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit des Bahnnetzes künftig nicht mehr gewährleistet sein. Fazit: Es braucht neben Mitteln für den Ausbau also genügend Mittel für Substanzerhalt und Digitalisierung.

Die Digitalisierung der Bahninfrastruktur ist wichtig: Sie macht die Bahn der Zukunft effizienter – mehr Züge auf dem Netz sind möglich – und das noch zuverlässiger als heute. Gleichzeitig ist auch der Ausbau der Schiene notwendig, weil Engpässe absehbar sind. Ausbauprojekte müssen schrittweise und gezielt dort umgesetzt werden, wo sie zeitnah den größten Nutzen bringen. Gleichzeitig ist auch die Aufwätskompatibilität zu Planungen notwendig, die darüber hinaus in der Zukunft anstehen.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de