23.03.26
Die E-Bus-Flotte ist im Jahr 2025 deutlich größer geworden: Deutsche Verkehrsunternehmen haben 1.397 dieser Fahrzeuge neu in Betrieb genommen – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Das heißt: Bei durchschnittlich rund 2.900 Stadtbus-Neuanschaffungen pro Jahr über alle Antriebsarten hinweg fuhr fast jeder zweite neu angeschaffte Stadtbus elektrisch. Ende 2025 waren insgesamt 4.752 Busse mit elektrischen Antrieben im Einsatz. Dies entsprach etwa 14 Prozent der gesamten Stadtbusflotte in Deutschland (rund 35.000 Fahrzeuge). Tendenz: stark steigend.
Das sind Kernergebnisse des E-Bus-Radar 2026 von PwC. Die achte Ausgabe der Analyse bilanziert die Entwicklung der emissionsfreien Busflotten in Deutschland, untersucht die regionale Verbreitung, Herstellerstrukturen sowie Preise – und sie zeigt, welche Themen die nächste Transformationsphase prägen.
Maximilian Rohs, Public Transport Leader und Director Infrastructure & Mobility bei PwC Deutschland, sagt: „Dass Ende 2025 fast jeder zweite neue Stadtbus elektrisch fuhr und die Elektrifizierung der Busflotten damit eine substanzielle Marktreife erreicht hat, liegt auch an der 2024 wieder aufgenommenen Bundesförderung.“ Er mahnt allerdings auch: „Gleichwohl bleibt die Transformation ein strukturelles Großprojekt, ein echter Kraftakt. Er erfordert weiterhin passgenaue Förderstrukturen von Bund und Ländern, wirtschaftlich tragfähige Energiekonzepte und langfristige Planungssicherheit.“
Technologisch dominiert weiterhin der Batterieantrieb: 4.034 der im vergangenen Jahr insgesamt eingesetzten 4.752 emissionsfreien Busse, also ca. 85 Prozent, fuhren batterieelektrisch. Hinzu kamen 628 Brennstoffzellenbusse (ca. 13 Prozent) und 90 Oberleitungsbusse (knapp zwei Prozent). Den prozentual stärksten Zuwachs unter den emissionsfreien Antrieben verzeichneten die Brennstoffzellenantriebe: Der Bestand an Brennstoffzellenbussen stieg von 330 Fahrzeugen Ende 2024 auf 628 Fahrzeuge Ende 2025 (+90 Prozent). Bei den batterieelektrischen Fahrzeugen ist der Bestand 2025 gegenüber 2024 um 37 Prozent gestiegen – auf deutlich höherem Gesamtniveau.
Ein weiteres E-Bus-Radar-Ergebnis: Elektrobusse haben sich von Pilotprojekten in einzelnen Metropolen zu einer regulären Beschaffungsoption im deutschen öffentlichen Personennahverkehr entwickelt; sie sind also nicht mehr nur auf Großstädte beschränkt. Im Jahr 2025 waren E-Busse in 222 deutschen Städten und Regionen unterwegs (2024: 180, 2020: 90). Damit hat sich die Anzahl der Kommunen, in denen E-Busse im Einsatz sind, in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Die Region Hamburg war im Jahr 2025 mit 709 E-Bussen (Hochbahn und VHH) Deutschlands E-Bus-Zentrum (wie im Jahr zuvor). Auf Platz zwei folgte Berlin mit 277 Fahrzeugen.
uf Ebene der Bundesländer hat Nordrhein-Westfalen erstmals die 1.000er-Marke übertroffen. Acht der 16 Bundesländer setzten jeweils mehr als 200 emissionsfreie Busse ein. Fast die Hälfte aller E-Busse in Deutschland war 2025 in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Bayern im Betrieb. Der E-Bus-Radar betrachtet auch die Kostenstruktur und die Finanzierung von E-Bussen. Beispielhafte Erkenntnisse: Ein zwölf Meter langer Solo-Batteriebus kostete 2025 in der Anschaffung durchschnittlich rund 580.000 Euro – fast doppelt so viel wie ein vergleichbarer Dieselbus (rund 310.000 Euro). Zwar sind die Preise für konventionelle Busse zuletzt deutlich gestiegen, doch der E-Bus-Preisaufschlag blieb substanziell.
„Denn beim E-Bus-Betrieb kommen erhebliche Investitionen in Ladeinfrastruktur, Netzanschlüsse und die Ertüchtigung von Betriebshöfen hinzu“, erläutert Maximilian Rohs. „Für die E-Bus-Infrastruktur sind deshalb in vielen Fällen auch mehr Flächen nötig. Gerade in urbanen Räumen ist dies eine zusätzliche wirtschaftliche Hürde.“
Um die Transformation des öffentlichen Personennahverkehrs weiter voranzutreiben, bleiben Förderprogramme wichtig, denn die Nachfrage nach finanzieller Unterstützung bleibt hoch. Die für das Frühjahr 2026 angekündigte Neuauflage der Bundesförderung dürfte den Anschaffungsaktivitäten Dynamik verleihen. Der für Ende 2030 prognostizierte Bestand an emissionsfreien Bussen wird dann zu mehr als sechzig Prozent mit Bundesförderung beschafft worden sein. Die nähere Zukunft hat dann neue Themen: Wirtschaftlich tragfähige Energiekonzepte, effiziente Vergabeverfahren und die Ausweitung in den Regional- und Reiseverkehr.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de