26.03.26
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat auch für Niedersachsen seine beiden Zukunftsszenarien vorgestellt. Dabei gibt es wieder ein Modernisierungsszenario für das Jahr 2040 und die Umsetzung eines Deutschlandangebotes. Beide Wege zeigen: Ohne zusätzliche Finanzmittel geht es nicht. Mit einer verlässlichen Finanzierung können in Niedersachsen mehr Angebot, bessere Anschlüsse und eine deutlich höhere Angebotsqualität erreicht werden.
Elke Maria van Zadel, Vorsitzende der VDV-Landesgruppe Niedersachsen/Bremen: „Niedersachsen ist ein Flächenland mit sehr unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnissen. Genau deshalb ist ein starker ÖPNV überall so wichtig – in den Städten ebenso wie im ländlichen Raum. Das Gutachten zeigt klar: Wenn wir jetzt gezielt investieren, können wir nicht nur Qualität sichern, sondern das Angebot für viele Menschen im Land spürbar verbessern.“
Schon heute ist die alltägliche Mobilität der Niedersachsen stark vom ÖPNV geprägt: 2024 wurden im Land rund 319 Millionen Nutzfahrzeug- beziehungsweise Nutzzugkilometer erbracht. Dabei dominiert ganz klar der Bus mit 78 Prozent der Betriebsleistung, während im SPNV 60 Prozent der Nachfrage erbracht werden. Die Aufwendungen für den ÖPNV lagen 2024 bei 2,73 Milliarden Euro, davon konnten nur 810 Millionen Euro Euro über Fahrgeldeinnahmen und sonstige Erlöse gedeckt werden. Der öffentliche Finanzierungsbedarf lag damit bereits heute bei 1,92 Milliarden Euro.
Im Szenario Modernisierung wird das bestehende System technisch und strukturell ertüchtigt: Fahrzeuge werden modernisiert und dekarbonisiert, Werkstätten und Betriebshöfe dafür ertüchtigt. Die Infrastruktur wird saniert und digitale Prozesse ausgebaut. Gleichzeitig kommen punktuelle Angebotsverbesserungen hinzu, etwa durch Neu- und Ausbauvorhaben im SPNV sowie in den Stadtbahnnetzen von Hannover und Braunschweig. Das Szenario Deutschlandangebot baut auf der Modernisierung auf und geht deutlich weiter.
Es sieht flächendeckende Mindestbedienstandards im Busverkehr, On-Demand-Angebote in ländlichen Räumen, zusätzliche Taktverdichtungen sowie einen Ausbau des SPNV vor – etwa durch Reaktivierungen wie Lüneburg – Soltau und Verbesserungen bei der S-Bahn Hannover. Besonders wichtig für Niedersachsen: Die durchschnittliche ÖPNV-Güteklasse verbessert sich im Deutschlandangebot von Note 4,3 auf 2,9.
Für mehr als ein Drittel der Bevölkerung verbessern sich Erschließung und Angebot um zwei Güteklassen, für knapp die Hälfte um eine Güteklasse – und das flächendeckend in allen Landkreisen. Alexander Möller, VDV-Geschäftsführer für den kommunalen ÖPNV: „Niedersachsen zeigt, worum es beim ÖPNV in allen Flächenländern geht: Die heutigen Mittel reichen für einen ÖPNV für alle im Land nicht wirklich aus. Ohne zusätzliche Mittel lassen sich weder Qualität noch Erreichbarkeit sichern und verbessern. Selbst mit der Modernisierung gelingt es nur, das System zu stabilisieren.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de