30.03.26
Auf Grundlage der „Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene“ wurde die Taskforce „Zuverlässige Bahn“ damit beauftragt, Maßnahmen für mehr Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit auf der Schiene zu erarbeiten. Ihr Fokus liegt auf konkreten und möglichst unmittelbar – das heißt bereits in den Jahren 2026 und 2027 – umsetzbaren Maßnahmen. An der Arbeit der Taskforce seit November 2025 beteiligten sich Vertreter von Bund, Ländern, dem Eisenbahn-Bundesamt, der Bundesnetzagentur, Eisenbahnverkehrsunternehmen, Aufgabenträgern, Verbänden, Gewerkschaften und der DB InfraGo AG.
Mit dem Bericht endet die Arbeit der Taskforce; sie hat ihren Auftrag erfüllt. Zugleich markiert der Bericht den Startpunkt für die Umsetzung der Maßnahmen. Die Umsetzung ist eine gemeinsame Aufgabe des gesamten Sektors.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU): „Mit den heute vorgestellten Maßnahmen haben wir einen weiteren wichtigen Meilenstein der Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene erreicht. Dafür haben wir die geballte Expertise des Sektors versammelt. Gemeinsam haben sie insgesamt 22 konkrete Maßnahmen entwickelt, die mit pragmatischen Lösungen wie Joker-Gleisen, Flexabfahrten und verstärkter Digitalisierung schnell für einen pünktlicheren und stabileren Bahnbetrieb sorgen sollen. Mein Dank gilt allen Beteiligten für die Bereitschaft, auch kontroverse Themen anzupacken. Jetzt kommt es auf die entschlossene Umsetzung an, damit die Verbesserungen schnellstmöglich für die Fahrgäste spürbar werden.“
So nennt man etwa Joker-Gleise für mehr Flexibilität: In hochbelasteten Bahnhöfen fehlen derzeit ausreichende Kapazitätsreserven, um auf Zugverspätungen oder andere Störungen im Betriebsablauf flexibel reagieren zu können. Abhängig von den lokalen Gegebenheiten soll das gezielte Freihalten einzelner Bahnsteiggleise diese Engpässe entschärfen. Solche „Joker-Gleise“ schaffen zusätzliche Kapazitäten für kurzfristig erforderliche dispositive Entscheidungen und tragen damit spürbar zur Verbesserung der Pünktlichkeit bei.
Ein weiterer Vorschlag sind Flex-Abfahrten für zuverlässigere Abfahrtszeiten: Fahrgastwechsel und Zugabfertigung können heute häufig nicht rechtzeitig zur geplanten Abfahrtszeit abgeschlossen werden. Dadurch verzögert sich die Abfahrt, und Folgeverspätungen entstehen schnell.
Derzeit erfolgt die Disposition von Zügen ausschließlich durch das Personal in Stellwerken und Betriebszentralen. Die Vielzahl kurzfristiger Fahrplanänderungen führt dabei zu hohem Entscheidungsaufwand, und nicht immer können die betrieblich optimalen Lösungen gefunden werden. Künftig soll eine KI-basierte Dispositionsassistenz frühzeitig Konflikte und Engpässe in der Zugdisposition erkennen und geeignete Handlungsvorschläge unterbreiten. Dabei werden auch Vorschläge der Zugbetreiber berücksichtigt, um die Entscheidungsqualität weiter zu erhöhen.
Erfreut zeigt man sich beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Verbandspräsident Ingo Wortmann: „Wir begrüßen, dass das Bundesverkehrsministerium den Handlungsdruck bei Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit auf der Schiene anerkennt und mit der Taskforce die Bedarfe des Sektors aufgreift. Dass dieser Wille besteht, hat die Taskforce eindrücklich gezeigt.“
Allerdings: „Kurzfristige Maßnahmen dürfen nicht über die langfristigen Bedarfe hinwegtäuschen: Wir brauchen eine klare und verlässliche Finanzierung sowie verbindliche strukturelle Zusagen des Bundes für den Infrastruktur- und Kapazitätsausbau an Knoten und überlasteten Schienenwegen. Wir können nicht genug betonen, dass wir endlich auch eine deutlich höhere Priorität für den Schienengüterverkehr, der bislang allenfalls mittelbar mitgedacht wird, benötigen.“
Grundsätzlich positiv sieht auch der Fahrgastverband Pro Bahn die Vorschläge. „Ich bin erfreut, dass wir bei der Fahrgastinformation einen echten Durchbruch erzielen konnten“, sagt Lukas Iffländer, Bundesvorsitzender von Pro Bahn und Berichterstatter der Fokusgruppe Digitalisierung in der Taskforce. „Die regelmäßigere Aktualisierung der Fahrplandaten beim Europäischen Fahrplanzentrum – perspektivisch täglich statt wie bisher in langen Zyklen – wird deutlich vorgezogen.“
Zu den Maßnahmen in den hochbelasteten Knoten Frankfurt, München, Köln, Hamburg, Hannover, Mannheim und Berlin äußert sich der Verband derzeit bewusst zurückhaltend. Hier gelte es, die knotenspezifischen Projekte abzuwarten, die erst in den kommenden Wochen ausgearbeitet werden sollen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de