15.04.26
Der Fahrgastverband Pro Bahn Mitteldeutschland kritisiert anhaltende und systematische Defizite bei der Fahrgastinformation im Regionalverkehr in Sachsen. Betroffen sind zahlreiche Linien und Verkehrsunternehmen, insbesondere bei Baustellen, Umleitungen und kurzfristigen Fahrplanänderungen.
Regelmäßig kommt es dazu, dass die Auskunftssysteme falsche Daten und Informationen anzeigen. Besonders schwerwiegend ist dies, wenn Züge weiterhin als regulär fahrend dargestellt werden, obwohl sie umgeleitet werden oder ganz ausfallen. An Bahnhöfen führt dies zu unübersichtlichen Situationen, in denen Fahrgäste ohne belastbare Informationen auf nicht verkehrende Verbindungen warten.
Ein aktuelles Beispiel ereignete sich am Karsamstag auf Fahrten des RE 3 Dresden-Neustadt – Hof der Mitteldeutschen Regiobahn, der ohne jegliche Information in den gängigen Auskunftssystemen über Riesa umgeleitet wurde. Diese Züge wurden an den ausgelassenen Halten jedoch nicht als ausgefallen angezeigt.
Dies führte dazu, dass beispielsweise in Dresden-Plauen zahlreiche Fahrgäste ohne Aussicht auf Mitfahrt warteten, weil dort alle RE-Züge weiterhin als fahrend angezeigt wurden.
„Wir erleben derzeit ein systemisches Versagen der Fahrgastinformation“, erklärt Markus Haubold, Landesvorsitzender von Pro Bahn Mitteldeutschland. „Es geht nicht um Einzelfälle, sondern um ein wiederkehrendes Muster: Anzeigen stimmen nicht, Apps zeigen falsche Daten, und vor Ort gibt es oft keinerlei verlässliche Hinweise. Für die Fahrgäste ist das schlicht nicht akzeptabel.“
Ein weiterer Schwerpunkt der Kritik liegt auf der unzureichenden Information in den Zügen selbst. „Die Situation in den Fahrzeugen ist insbesondere bei DB Regio ärgerlich“, so Michael Koch, Referent für die Region Dresden und stellvertretender Bundesvorsitzender von Pro Bahn.
„Kurzfristige Fahrplanänderungen, Umleitungen oder Ausfälle werden häufig nicht auf den Bildschirmen dargestellt. Stattdessen sehen wir oft statische Anzeigen ohne Echtzeitdaten oder sogar falsche Informationen. Auch akustische Durchsagen sind vielfach unzureichend oder erfolgen zu spät, sodass Fahrgäste wichtige Entscheidungen, etwa zum Umsteigen, nicht rechtzeitig treffen können. Hinzu kommt, dass Fahrplanupdates in vielen Fahrzeugen offenbar noch immer nur manuell und nicht aus der Ferne aktualisiert werden – ein Zustand, der im Jahr 2026 völlig aus der Zeit gefallen ist.“
Koch betont zudem die Tragweite der Problematik: „Wer heute im Regionalverkehr unterwegs ist, braucht starke Nerven. Man kann sich auf die Informationssysteme oft nicht verlassen, weder am Bahnsteig noch im Zug. Das darf in einem modernen Verkehrssystem nicht der Normalzustand sein.“
Mit Blick auf die rechtlichen Rahmenbedingungen stellt er klar: „Die Fahrgastrechteverordnung verpflichtet die Eisenbahnunternehmen ausdrücklich dazu, Fahrgäste rechtzeitig und angemessen über Abweichungen zu informieren.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de