20.04.26
Der dritte Zwischenbericht zur Evaluation des Deutschlandtickets im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums ist letzte Woche vorgestellt worden. Die Studie des Gutachterkonsortiums unter Leitung des Infas-Instituts trägt den Untertitel „Regionale Verbreitung, Nutzung, Potenziale, Wirkungen und Nachfrageveränderungen“ und basiert auf dem Arbeits- und Erhebungsstand bis Ende September 2025.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) erklärt: „Die Studie zeigt: Das Deutschlandticket wirkt. Es entlastet Bürgerinnen und Bürger, stärkt den öffentlichen Verkehr und reduziert CO₂-Emissionen. Gleichzeitig besteht weiteres Potenzial, zusätzliche Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen. Entscheidend sind Verlässlichkeit, ein attraktives Preisniveau und ein gutes Angebot. Bund und Länder haben die Finanzierung bis 2030 gesichert. Nun gilt es, die positiven Effekte weiter auszubauen.“
Die seit Spätsommer 2024 laufende, bis 2027 angelegte Evaluation wird von einem Konsortium unter Leitung von infas gemeinsam mit dem Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr an der RWTH Aachen, der TU Dresden sowie der Unternehmensberatung mobilité durchgeführt. Grundlage sind eigene qualitative und quantitative Primärerhebungen, Sekundäranalysen sowie verschiedene Statistiken zum Deutschlandticket.
Der Bericht bestätigt die breite Nutzung des Deutschlandtickets. Aktuell nutzen rund 14,5 Millionen Menschen das Angebot; das entspricht etwa einem Fünftel der Bevölkerung. Die Nachfrage ist besonders in Metropolen hoch, zugleich spielt das Ticket auch in ländlicheren Räumen eine relevante Rolle. Zudem konnten Gelegenheitsnutzer stärker an den öffentlichen Verkehr gebunden werden.
Die Gutachter sehen zusätzliches Potenzial von bis zu 5,8 Millionen weiteren Deutschlandtickets. Dieses könne insbesondere durch die Reaktivierung früherer Nutzer sowie durch konsequentes Marketing erschlossen werden.
Trotz einer im Jahr 2025 stagnierenden Nutzerbasis infolge von Preisdiskussionen wird eine signifikante Verlagerung vom privaten Pkw zum öffentlichen Verkehr festgestellt. Damit verbunden sind positive Umweltwirkungen. Das Gutachterkonsortium schätzt die CO₂-Einsparung durch das Deutschlandticket auf rund 2,5 Millionen Tonnen jährlich. Dies entspricht einer Reduktion der Emissionen des privaten Pkw-Verkehrs um etwa drei Prozent.
Es handelt sich also tatsächlich um frühere Autofahrer, die wegen des geringeren Fahrpreises auf das Deutschlandticket umgestiegen sind und nun auf der Schiene unterwegs sind.
Darüber hinaus zeigen erste Abschätzungen positive volkswirtschaftliche Effekte, die in der Summe über dem Niveau der Ausgleichszahlungen liegen. Die Evaluation hebt zudem hervor, dass das Deutschlandticket die Mobilität insbesondere von Menschen mit geringerem Einkommen verbessert und die gesellschaftliche Teilhabe stärkt. Gleichzeitig wurde ein Digitalisierungsschub im Vertrieb beobachtet, bei dem weiterhin Entwicklungsbedarf besteht.
Für den langfristigen Erfolg nennen die Gutachter insbesondere Verlässlichkeit, eine moderate Preisentwicklung, Angebotsqualität und aktive Vermarktung.
Kritik an der Evaluation selbst kommt jedoch vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff erklärt: „Wir bedauern, dass diese Ergebnisse ohne Vorankündigung an die Länder und an die Branche über die Presse veröffentlicht wurden. Der Zeitpunkt dieser Veröffentlichung, direkt nach dem Entlastungsgipfel der Bundesregierung, erscheint wie ein Ablenkungsmanöver. Denn man hat zwar einen Tankrabatt beschlossen, aber keine Entlastungsmaßnahmen für die 24 Millionen Fahrgäste, die durch ihre ÖPNV-Nutzung täglich aktiv dazu beitragen, dass in Deutschland erheblich weniger Diesel und Benzin verbraucht werden.“
Die Ergebnisse der jetzt vorgestellten Evaluation seien mehr als sechs Monate alt und aus Sicht des VDV an entscheidender Stelle unzutreffend: Das angebliche Potenzial an zusätzlichen Fahrgästen beim Deutschlandticket stelle der Verband in den Verkaufszahlen nicht fest. Vielmehr sei es so, dass aufgrund des immensen wirtschaftlichen Drucks auf die Verkehrsunternehmen das ÖPNV-Angebot bundesweit teilweise reduziert worden sei.
Wolff weiter: „Wir sind sehr überrascht, dass das Bundesverkehrsministerium nun ein konsequentes Marketing für das Deutschlandticket ins Spiel bringt. Dies hat die Branche, die jährlich einen siebenstelligen Betrag für die Vermarktung des Tickets aufwendet, Bund und Ländern immer wieder vorgeschlagen.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de