23.04.26
Vertreter der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und des Eisenbahnunternehmens Arverio haben sich letzte Woche in der dritten Verhandlungsrunde auf einen für die Beschäftigten attraktiven und für den Arbeitgeber noch finanzierbaren Tarifabschluss geeinigt.
Alle nach Tarif bezahlten Mitarbeiter bei Arverio erhalten eine Erhöhung des monatlichen Grundgehalts sowie der Zulagen um 2,5 Prozent ab dem 1. November sowie um weitere 2,5 Prozent ab dem 1. Dezember nächsten Jahres. Die Auszubildenden im Beruf Eisenbahner im Betriebsdienst erhalten zu diesen Terminen jeweils eine Erhöhung des monatlichen Grundgehalts. Dazu kommen strukturelle Verbesserungen der Entgelttabellen zum 1. März 2027.
Zudem wird im Jahr 2026 eine Entlastungsprämie gezahlt, ab 2027 ein Urlaubsgeld eingeführt. Insgesamt erhalten die Tarifbeschäftigten bei Arverio also bis zum Ende 2027 eine Gehaltssteigerung in zwei Schritten von insgesamt fünf Prozent und weitere wichtige Komponenten. Außerdem erhalten sie die vor wenigen Tagen von der Bundesregierung ermöglichte steuerfreie Entlastungsprämie von bis zu tausend Euro, Mitarbeiter in Ausbildung erhalten 500 Euro, jeweils aufgeteilt in zwei Teilzahlungen.
Ab 2027 erhalten die Tarifmitarbeiter, die nicht in Ausbildung als Eisenbahner im Betriebsdienst sind, ein Urlaubsgeld in Höhe von 600 Euro. Für die Erwachsenen in Funktionsausbildung ist eine alternative Vereinbarung getroffen worden. Zusätzlich hatte Arverio bereits als eines der ersten Unternehmen beim Beginn der Verhandlungen am 15. Dezember 2025 einen Einmalzahlungs-Tarifvertrag vereinbart, der 600 Euro Einmalzahlung vorgesehen hat.
Bereits in der vorigen Verhandlungsrunde Anfang 2024 hatten die Tarifparteien eine ab dem 1. Januar diesen Jahres einsetzende Arbeitszeitabsenkung vereinbart. Dadurch ergibt sich für die Beschäftigten wahlweise eine Arbeitszeitabsenkung um eine Wochenstunde oder ein zusätzliches Entgeltvolumen von etwa 2,8 Prozent pro Jahr.
„In Verantwortung für unsere Fahrgäste und die Region haben wir uns zu diesem Abschluss entschlossen, auch wenn er wirtschaftlich schwierig ist. Wir sind froh, dass wir uns – wie bisher immer – auch diesmal wieder mit der GDL einigen konnten, ohne dass es zu Streiks gekommen ist“, so Arverio-Geschäftsführerin Stefanie Petersen.
Die Tarifverhandlungen standen diesmal im Spannungsfeld zwischen gerechtfertigten Lohnerhöhungen und den finanziellen Herausforderungen, die die gesamte Eisenbahnbranche hat. Die vielen Zugausfälle und Verspätungen durch die zahlreichen Baustellen am Streckennetz, Verzögerungen beim Projekt Stuttgart 21, die nach einem Gerichtsurteil offene Frage nach der Höhe der Trassenpreise und auch die Mehrkosten durch die erwähnte Arbeitszeitabsenkung führen zu hohen finanziellen Belastungen von Unternehmen wie Arverio.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de