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Gewerkschaften zum Güterverkehr

29.04.26

In der letzten Woche warnten Eisenbahngewerkschaften aus ganz Europa in Brüssel vor einem drohenden Niedergang des europäischen Schienengüterverkehrs. Unter dem Titel „Den Schienengüterverkehr auf Kurs halten: Lösungen der Beschäftigten für eine Branche in der Krise“ versammelten sich Vertreter der Europäische Transportarbeiter-Föderation (ETF) und ihrer Mitgliedsgewerkschaften, um der EU-Politik konkrete und machbare Lösungen zu präsentieren. Gleichzeitig wurde die Kampagne #SaveRailFreight offiziell gestartet.

Im Fokus der Konferenz stand der Einzelwagenverkehr (EWV), vielfach als Sorgenkind der Branche bezeichnet. Während er von manchen als zu teuer und zu komplex bewertet wird, machten Gewerkschaften sowie Vertreter aus Wirtschaft und Bahnbranche deutlich: Der Einzelwagenverkehr ist für die industrielle Wertschöpfung in Europa unverzichtbar.

Dirk Flacke, Triebfahrzeugführer und EVG-Betriebsrat, wandte sich mit einem eindringlichen Appell aus der Praxis an die europäische Politik: „Wenn der Einzelwagenverkehr stirbt, sterben auch viele Industriestandorte.“ Ohne die flexible Schienenanbindung, etwa für die Stahl-, Automobil- oder Chemieindustrie, drohten der Verlust tausender Arbeitsplätze und eine weitere Verlagerung des Verkehrs auf die Straße.

Flacke forderte eine gezielte Förderung der Betriebskosten im Einzelwagenverkehr, den zügigen Roll-out der Digitalen Automatischen Kupplung (DAK) sowie eine umfassende Infrastruktur-Offensive. Um den Forderungen gegenüber EU-Kommission und Europäischem Parlament Nachdruck zu verleihen, wurde eine wissenschaftliche Studie zum Einzelwagenverkehr vorgestellt.

Deren Ergebnisse sind eindeutig: Der Industriestandort Europa ist in hohem Maße auf den Einzelwagenverkehr angewiesen. Ohne ein koordiniertes, strategisches Handeln der EU und eine gezielte finanzielle Unterstützung hat dieses System jedoch keine Zukunft.

Auch jenseits des Einzelwagenverkehrs ist der Schienengüterverkehr insgesamt unter massivem Druck. Kay Gottschall, stellvertretender Vorsitzender des Europäischen Betriebsrats von DB Cargo, schilderte die enormen Herausforderungen, vor denen das größte deutsche Schienengüterverkehrsunternehmen steht. Eine Kehrtwende sei möglich, betonte Gottschall, sie verlange jedoch einen erheblichen Kraftakt von allen Beteiligten.

Ähnliche Berichte kamen aus anderen europäischen Ländern. So befindet sich etwa die Güterverkehrstochter der tschechischen Staatsbahn in einem tiefgreifenden Umbruch: 1.300 Stellen wurden abgebaut, 4.500 Wagen ausgemustert und 140 Lokomotiven außer Dienst gestellt. Die Folge sind täglich rund 960 zusätzliche Lkw auf den Straßen.

Livia Spera, Generalsekretärin der ETF, schloss die Konferenz mit einer klaren Botschaft an die EU-Kommission: Der Schienengüterverkehr dürfe nicht länger allein als Spielball des Marktes betrachtet werden. Er müsse als Teil der Daseinsvorsorge verstanden und entsprechend finanziert werden.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de