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HUK-Coburg-Studie: „Rote Karte“ für die Bahn

29.04.26

Eine aktuelle Studie der Versicherung HUK-Coburg kommt zu dem Ergebnis, dass die Bundesbürger inzwischen „massiv auf die Zuverlässigkeitsprobleme der Bahn“ reagieren. Ein Drittel der repräsentativ befragten Personen würde den Verkehrsträger Schiene inzwischen sogar meiden oder für wichtige Termine nicht nutzen. Weitere fahren nur mit dem Zug, wenn sie einen massiven Zeitpuffer einplanen, weil sie wissen, dass Verspätungen und geplatzte Anschlüsse deutlich häufiger sind als noch in der jüngeren Vergangenheit.

Breite Resignation beim Gesamtzustand der Mobilität in Deutschland zeigt sich aber auch an anderen Stellen. So werden die Hauptpfeiler des ÖPNV, also Straßen-, S-Bahnen und Busse, seit 2021 konstant von maximal 13 Prozent der Bundesbürger als Verkehrsmittel der Zukunft eingestuft. Die Einschätzung des Fahrrads als Verkehrsmittel der Zukunft ist seit den Corona-Jahren sogar um mehr als ein Drittel eingebrochen – auf nicht einmal mehr jeden fünften Befragten (16 Prozent).

Gewinner dieser Entwicklung ist das Auto. Mit einem neuen Spitzenwert von 76 Prozent verschiebt es das Voting der Bundesbürger weiter nach vorn und wird zum mit Abstand beliebtesten Verkehrsmittel der Zukunft. Auffällig ist dabei im Vergleich zum Vorjahr, dass das Auto bei jungen Menschen im Alter von 16 bis 24 Jahren in der positiven Zukunftseinschätzung am stärksten hinzugewinnt. Gleichzeitig sinkt in dieser Altersgruppe die Beurteilung der Zukunftsfähigkeit der Bahn am deutlichsten.

Wie stark sich die Jüngeren dem Auto zuwenden, zeigt auch der Langfristvergleich: So stieg die Auto-Präferenz der unter vierzigjährigen Personen in den vergangenen vier Jahren dreimal so stark an wie bei den Befragten ab vierzig Jahren. In der Folge liegen die Werte heute nahezu gleichauf; beim Voting für das Auto als Top-Verkehrsmittel der Zukunft gibt es also kaum noch einen Generationenunterschied (75 Prozent zu 76 Prozent). Im Jahr 2022 sah das noch anders aus: Damals lagen die Werte bei 64 Prozent zu 73 Prozent.

Auch die DB AG selbst hat inzwischen reagiert. Man verweist darauf, dass die Studie im Januar und Februar durchgeführt wurde – also bevor der Ölpreisschock durch den Irankrieg für massiv gestiegene Benzinpreise gesorgt hat. Weiter heißt es bei der DB AG: „Dass sich die Deutschen von der Bahn abwenden, deckt sich nicht mit der tatsächlichen Nutzung. Nachdem die DB AG bereits im Jahr 2025 trotz zahlreicher Baustellen und Verspätungen mit 1,93 Milliarden Passagieren einen Fahrgastrekord erzielt hatte, gilt auch für die ersten Monate 2026: Die Menschen wollen Bahn fahren. Sie schätzen unsere Züge gerade in der aktuellen Situation als preiswerte Alternative zum Auto und Flugzeug.“

Im Gegenteil: Der Konzern sieht sogar einen wieder positiven Effekt. „Auf vielen Rennstrecken wie Berlin – München verzeichnen wir zurzeit neue Fahrgastrekorde. Vor allem Geschäftsreisende nutzen die Bahn wieder vermehrt.“

Die Studie von HUK-Coburg jedoch spricht eine andere Sprache: Wie stark die Deutschen der Zustand der Mobilität bedrückt, zeigen hohe Zustimmungswerte für Verbesserungsvorschläge. Rund sieben von zehn Bundesbürgern plädieren für einen grundsätzlich kostenfreien öffentlichen Nahverkehr (67 Prozent), für eine deutlich erhöhte Taktung im Bus- und Bahnverkehr (66 Prozent) sowie für das bundesweit einsetzbare Deutschlandticket (71 Prozent).

Die meisten Befragten lehnen zwar ein Verbot des Autoverkehrs in den Innenstädten ab, stehen aber dem Parken ausschließlich in zentralen, sogenannten Quartiersgaragen eher positiv gegenüber. Auch das Votum für eine staatliche E-Auto-Förderung nimmt deutlich zu: Waren 2024 noch 39 Prozent dafür und im vergangenen Jahr 45 Prozent, so sind es nun mehr als die Hälfte (52 Prozent).

Interessant ist dabei: Zwar sprechen sich die Jüngeren unter vierzig Jahren noch immer stärker für die staatliche E-Förderung aus (60 Prozent). Am stärksten steigt die Zustimmung jedoch bei den Älteren ab vierzig Jahren – von 31 Prozent im Vorjahr auf nun 47 Prozent.

Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied bei der HUK-Coburg, fasst die Studienergebnisse zusammen: „Unsere langjährige Mobilitätsstudie zeigt, wie gespalten die Deutschen sind. Sie sehen den schlechten Zustand der Mobilität, beschränken sich aber nicht aufs Klagen, sondern unterstützen vehement Verbesserungsvorschläge. Gerade auch auf das E-Auto setzt man Hoffnungen und befürwortet immer stärker eine staatliche Förderung.“HUK-Coburg-Studie: „Rote Karte“ für die Bahn.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de