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Drei Jahre Deutschlandticket

07.05.26

Vor drei Jahren ist das Deutschlandticket erstmals verkauft worden: Am 1. Mai 2023 war es zunächst für 49 Euro im Monat zu haben und galt als direkte Nachfolgeregelung für das Neun-Euro-Ticket, das im Juni, Juli und August 2022 die Bürger entlasten sollte. Im Jahr 2025 stieg der Preis auf 58 Euro, 2026 auf 63 Euro. Es wird mit drei Milliarden Euro pro Jahr bezuschusst; Bund und Länder teilen sich die Kosten.

Mit der Einführung des Deutschlandtickets wurde die Tariflandschaft revolutioniert und digitalisiert. Ein bundesweit einheitliches Ticket für den ÖPNV, das für Fahrgäste zu erheblichen Einsparungen und Vereinfachungen führt, stellt die Branche zugleich weiterhin vor große Herausforderungen in Sachen Wirtschaftlichkeit und Umsetzung. Das sind die Erkenntnisse einer Umfrage des Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, an der sich 106 Verkehrsunternehmen und Verbünde beteiligt haben.

VDV-Präsident Ingo Wortmann erklärte: „Für unsere Kundinnen und Kunden ist das Deutschlandticket ein gutes Tarifprodukt, denn es erleichtert die ÖPNV-Nutzung und macht das Bus- und Bahnfahren für Millionen von Fahrgästen günstiger. Deshalb glauben wir weiter an den Erfolg dieses Angebots und setzen als Branche alles daran, die Potenziale beim Deutschlandticket zu heben. Zur Wahrheit gehört aber auch: Ohne ein gutes Angebot an Verkehrsleistungen kein Erfolg des Tickets.“

Wortmann: „Im Rahmen unserer Umfrage wird deutlich, wo die Verkehrsunternehmen und Verbünde die konkreten Probleme sehen. Damit das Deutschlandticket sein volles Potenzial entfalten kann, braucht es eine verlässliche und dynamisierte Finanzierung mit fairen und schnellen Ausgleichszahlungen, ein wirklich einheitliches Ticket mit klarer Governance sowie standardisierte, betriebswirtschaftlich funktionierende Vertriebs- und Kontrollsysteme und einen mitfinanzierten Angebotserhalt und -ausbau für eine sichere, flächendeckende Umsetzung.“

An der Umfrage beteiligten sich insgesamt 106 Verkehrsunternehmen und Verbünde, sowohl aus Großstädten und Ballungsräumen als auch aus ländlich geprägten Regionen. Mehr als 70 Prozent der Befragten gaben an, dass sie im Deutschlandticket Job das größte Wachstumspotenzial sehen. Bei der Frage, welche weiteren Deutschlandticket-Produkte sie sich aus unternehmerischer Perspektive wünschen, liegt das Deutschlandticket für Auszubildende mit knapp 55 Prozent vor dem Deutschlandticket für Schüler mit rund 52 Prozent. Ein bundesweit einheitliches Sozialticket wünschen sich hingegen nur etwa 32 Prozent der Befragten.

Erforderlich sind dauerhaft auskömmliche Mittel für das Deutschlandticket und den ÖPNV, ergänzt um eine automatische Dynamisierung und eine transparente Preisfortschreibung. Das schafft Verlässlichkeit statt jährlicher Ad-hoc-Entscheidungen. Hierfür wurde durch die Verkehrsministerien der Länder inzwischen ein Preisindex beschlossen, der erstmals 2027 angewendet wird. Mindereinnahmen müssen bundesweit einheitlich, transparent und zügig ausgeglichen werden, einschließlich Abschlagszahlungen zur Liquiditätssicherung. So werden Risiken reduziert und der laufende Betrieb stabilisiert.

Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, sagte zum Jubiläum: „Wir haben uns zuletzt alle sehr auf die Preiserhöhungen beim Deutschlandticket fokussiert. Dabei geht die langfristige Perspektive verloren, nämlich das, was wir alle durch die Einführung des Deutschlandtickets gewonnen haben. Kostete vor vier oder fünf Jahren ein regionales Monatsticket häufig 80, 100 oder sogar 150 Euro, haben wir jetzt eine deutschlandweite Flatrate, die mit 63 Euro deutlich darunter liegt und für ein ungleich größeres Streckennetz gilt.“

Klar ist aber auch, dass Menschen in den Städten bislang oft stärker vom Deutschlandticket profitieren als in ländlichen Regionen, wo die Anschlüsse an Busse und Bahnen häufig zu wünschen übriglassen. Dazu sagte Flege: „Das Deutschlandticket ist ein Versprechen, dass der öffentliche Nahverkehr einfach und unkompliziert zu nutzen ist. Dazu gehört neben einer fairen Preisstruktur natürlich auch, dass jede und jeder ein entsprechendes ÖPNV-Angebot vor der eigenen Haustür vorfindet. Die Bundesregierung ist deshalb gefordert, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs stärker zu priorisieren, damit alle Menschen von bezahlbarer Mobilität profitieren können.“

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de