Jobportal für die Bahnbranche & ÖPNV

DB InfraGo legt Netzzustandsbericht 2025 vor

13.05.26

Der Zustand des deutschen Schienennetzes stabilisiert sich – so sagt es der Eigenbericht von DB InfraGo für das Kalenderjahr 2025. Die Zustandsnote für das gesamte Schienennetz in Deutschland beträgt im Mittel 3,00 und liegt auf Vorjahresniveau. Damit scheint der langjährige Abwärtstrend gestoppt zu sein. Die Bahnhöfe konnten sich mit der Note 2,96 gegenüber 3,03 im Jahr 2024 sogar leicht verbessern. Dazu beigetragen haben die im vergangenen Jahr fertiggestellten 124 Bahnhöfe mit einer zukunftsweisenden Rundum-Erneuerung.

Für den jährlichen Bericht untersucht DB InfraGo mehr als 380.000 Anlagen des Fahrwegs und der Bahnhöfe und bewertet diese nach Schulnotenlogik. Benotet werden alle Brücken, Tunnel, Stützbauwerke, Gleise, Weichen, Bahnübergänge, Stellwerke, Oberleitungen sowie Anlagen der Bahnhofsinfrastruktur.

Evelyn Palla, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, erklärt: „Die Talsohle der ungebremsten Alterung unserer Schieneninfrastruktur scheint erreicht. Die Gesamtnote unseres Schienennetzes bleibt auf dem Niveau von 2024 – ein Zeichen dafür, dass die Trendwende noch nicht vollzogen ist. Viele Anlagen und Bahnhöfe befinden sich nach wie vor in einem schlechten Zustand. Deshalb müssen wir konsequent weiter modernisieren und erneuern.“

Der Weg zu einem modernen Schienennetz sei noch lang. Entscheidend sei, dass die öffentliche Hand auch künftig ausreichend Mittel bereitstelle, damit der Investitionsstau so schnell wie möglich abgebaut werden könne. Im Jahr 2025 wurden rund 1.900 Kilometer Gleise und 1.900 Weichen erneuert.

An mehr als 950 Bahnhöfen erfolgten Bauarbeiten, erneuert wurden unter anderem 250 Aufzüge und Rolltreppen. Zur Bilanz gehören außerdem 103 Brücken mit rund 25.000 Quadratmetern Fläche sowie 3.700 modernisierte Stelleinheiten der Leit- und Sicherungstechnik. Eine zusätzliche Milliarde Euro vom Bund sicherte Investitionen in besonders komplexe Brücken sowie in moderne Leit- und Sicherungstechnik.

Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGo AG, zieht daher eine vorsichtig positive Bilanz: „Wir haben 2025 rund 19,9 Milliarden Euro für Instandhaltung und Ersatzinvestitionen verbaut und konnten damit die weitere Verschlechterung des Anlagenzustandes abwenden – trotz des parallel weiter angewachsenen Durchschnittsalters unserer Anlagen. Die Investitionen lohnen sich.“

Die gestiegenen Bauvolumina hätten 2025 erstmals seit Jahren zu einem geringeren Wert beim Erneuerungsbedarf für die Anlagen mit den Zustandsnoten „schlecht“, „mangelhaft“ und „einschränkend“ geführt. Im Bericht 2024 seien dafür rund 110 Milliarden Euro ermittelt worden; 2025 sei diese Summe auf rund 106 Milliarden Euro gesunken.

Die Allianz pro Schiene bewertet es als Hoffnungsschimmer, dass sich der Zustand von Netz und Verkehrsstationen im vergangenen Jahr nicht weiter verschlechtert hat. Um den lang ersehnten Aufwärtstrend zu schaffen und echte Verbesserungen zu bewirken, brauche es jedoch eine langfristige und planbare Finanzierung durch den Bund.

„Im Jahr 2024 betrug der Investitionsstau im deutschen Schienennetz mit seinen Gleisen, Weichen und Signalanlagen sowie an den Verkehrsstationen mit ihren Bahnsteigen, Aufzügen und Treppen noch 130 Milliarden Euro. Im Jahr 2025 ist der Berg um ein kleines Stück auf rund 124 Milliarden Euro geschmolzen, was immer noch eine gewaltige Summe ist“, sagte Geschäftsführer Dirk Flege.

Auch wenn klar sei, dass sich das über viele Jahrzehnte vernachlässigte Schienennetz nicht von einem Jahr auf das andere vollständig erholen könne oder „gesund machen“ lasse, brauche der Bund jetzt einen langen Atem und einen guten Trainingsplan, so Flege weiter: „Ein guter Trainingsplan bedeutet, dass Rekordinvestitionen keine einmalige Sache sein dürfen. Es führt kein Weg daran vorbei, dass der Bund seine Investitionen auf hohem Niveau verstetigt, sich also auf einen Marathon vorbereitet, wenn es konstant bergauf gehen soll mit der Schiene in Deutschland.“

Dazu solle der Bund nun schnell den im Koalitionsvertrag angekündigten Eisenbahninfrastrukturfonds zusammen mit dem ebenfalls angekündigten Infraplan umsetzen, weil so Planbarkeit und Verlässlichkeit in die Finanzierung und damit auch zurück zu den Güterkunden und Fahrgästen auf die Schiene kämen. Denn der Gesamtbedarf ist nach Berechnungen der Allianz pro Schiene noch immer nicht gedeckt. Man fordert daher eine deutliche Aufstockung der Finanzmittel durch den Bund.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de