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BSN unterstützt Standardisierung

18.05.26

Anfang Mai lud der Bundesverband Schienennahverkehr (BSN) zum dritten Mal zur Fachtagung „Fahrzeuge“ in den Kulturbahnhof Kassel ein. Mehr als hundert Branchenexperten diskutierten gemeinsam die in der Charta zur Fahrzeugstandardisierung definierten Ziele und Themenfelder und entwickelten sie weiter.

„Die Branche steht an einem Wendepunkt“, betonte Bärbel Fuchs, Geschäftsführerin der Bayerische Eisenbahngesellschaft und Präsidiumsmitglied des BSN, in ihrer Begrüßung. Gemeint ist die große Vielfalt bei Fahrzeugtypen, die zwar regionale Individualisierung ermöglicht, sich aber über den gesamten Lebenszyklus von Schienenfahrzeugen hinweg zunehmend als Kostenfaktor erweist.

Zunehmend treffen Personalengpässe bei allen Akteuren auf komplexe Fahrzeugausschreibungen sowie zeit- und ressourcenintensive Vergabeverfahren mit hohen Beschaffungskosten, langen Lieferfristen und fahrzeugspezifischen Zulassungsverfahren. Die SPNV-Aufgabenträger haben sich deshalb im vergangenen Jahr selbst verpflichtet, diese Prozesse zu verschlanken und die Anforderungen an Schienenfahrzeuge zu vereinfachen.

Aufbauend auf der Charta zur Standardisierung des BSN wurden bei der Fachtagung „Fahrzeuge III“ die bereits entwickelten Lösungsansätze in sechs themenspezifischen Workshops weiter diskutiert und vertieft. BSN-Jurist Dirk Gründler nahm zuvor eine kurze kartellrechtliche Einordnung der Standardisierungsbemühungen in Anlehnung an die Horizontalleitlinien der Europäischen Kommission vor.

In seinem Impulsvortrag stellte Axel Schuppe, Geschäftsführer des Verband der Bahnindustrie in Deutschland (VDB), die Grundzüge des „VDB-Weißbuchs Schienenfahrzeuge“ vor. Dabei hob er hervor, dass sich die Fahrzeugindustrie ein effizientes Anforderungsmanagement, standardisierte Prozesse und vereinfachte Ausschreibungen bei gleichzeitiger Berücksichtigung technischer Realitäten wünsche.

Am zweiten Tag ermöglichte Volker Rupprecht vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) eine Einordnung in nationale und europäische Zulassungsprozesse. Weniger Fahrzeugtypen sowie nachvollziehbare, strukturierte und konsistente Dokumentationen seien entscheidend für die Verkürzung von Zulassungsfristen neuer Eisenbahnfahrzeuge. Zudem müssten deutsche Branchenvertreter in europäischen Gremien mitwirken und die dort entwickelten Spezifikationen aktiv mitgestalten.

Den Lebenszyklus weitergedacht veranschaulichte Nico Petersen von DB Fahrzeuginstandhaltung, wie die technische Komplexität heterogener Fahrzeugflotten zum Kostentreiber wird. Dies erschwere das Ersatzteilmanagement und führe zu Zeitverlusten sowie einer schlechteren Fahrzeugverfügbarkeit.

Abschließend betonte Peter Panitz: „In der Vergangenheit hat jeder Branchenakteur für sich gearbeitet. Jetzt ist die Zeit gekommen, dass Aufgabenträger, Hersteller, Eisenbahnverkehrsunternehmen und Instandhalter in den Dialog treten. Wir wollen gemeinsam Empfehlungen für Standards erarbeiten.“

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de