18.05.26
Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) setzt seine umfassende Tarifstrukturreform fort. Zum 1. Juni 2026 tritt die zweite Stufe in Kraft. Im Mittelpunkt stehen deutlich vereinfachte Tarifgebiete, transparentere Grenzen sowie der Wegfall der bisherigen Wabenstruktur und des Zwei-Waben-Tarifs. Weniger Tarifvarianten, klarere Gebietsgrenzen und eine verständliche Preislogik tragen dazu bei, den ÖPNV für neue und bestehende Kunden attraktiver zu machen.
Die zweite Reformstufe knüpft unmittelbar an die erste Stufe an, die bereits zum 1. März 2025 umgesetzt wurde. Schon damals wurde das Ticketsortiment des VRR deutlich gestrafft und stärker auf einfache, flexible und digitale Angebote ausgerichtet. Insbesondere das Deutschlandticket sowie der entfernungsabhängige digitale Tarif eezy.nrw haben seitdem eine zentrale Rolle im VRR-Tarifangebot eingenommen.
„Mit der zweiten Stufe der Tarifreform machen wir unseren Tarif noch einfacher, schaffen Klarheit bei Tarifgrenzen und orientieren uns noch stärker an den tatsächlichen Mobilitätsbedürfnissen der Menschen im VRR“, betont Oliver Wittke. „Ziel ist es, den Umstieg auf Bus und Bahn weiter zu erleichtern und einen wichtigen Beitrag zur Verkehrswende zu leisten.“
Ein Kernstück der zweiten Reformstufe ist eine grundlegende Neugestaltung der Tarifgebiete. Künftig gilt in den bislang geteilten Großstädten Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen und Wuppertal das Prinzip „eine Stadt – ein Tarifgebiet“. Damit entfallen innerstädtische Tarifgrenzen, und die Ticketwahl wird für Fahrgäste deutlich übersichtlicher.
„Gerade in großen Städten waren Tarifgrenzen innerhalb des Stadtgebiets für viele Menschen nicht nachvollziehbar“, so Wittke. „Mit der neuen Regelung schaffen wir hier echte Klarheit und machen den Nahverkehr komfortabler.“
Darüber hinaus passt der VRR die Zuschnitte der Tarifgebiete insbesondere am Niederrhein und in Teilen des Ruhrgebiets an. Die neuen Grenzen orientieren sich stärker an tatsächlichen Verkehrsströmen, Kreisgrenzen und modernen Verkehrswegen. Durch diese Anpassungen werden typische Fahrbeziehungen besser abgebildet und Tarifgrenzen logischer nachvollziehbar. Für viele Alltagswege bedeutet das künftig eine klarere Zuordnung zur passenden Preisstufe.
Ein weiterer zentraler Schritt der Reform ist der Wegfall der Wabenstruktur und des sogenannten Zwei-Waben-Tarifs. Dieses historisch gewachsene System galt als erklärungsbedürftig und wurde zuletzt von weniger als einem Prozent der VRR-Kunden genutzt. Mit der Reform entfallen komplizierte Ausnahmeregelungen – stattdessen gelten künftig im gesamten Verbund klar definierte und einheitliche Preisstufen: Preisstufe A für Fahrten innerhalb eines Tarifgebiets, Preisstufe B für Fahrten in ein benachbartes Tarifgebiet und Preisstufe C für Fahrten im gesamten VRR-Gebiet.
Diese einfache ABC-Struktur gab es im VRR bereits bis 2008. Damals mussten Zwei-Waben-Tarife und eine Preisstufe D eingeführt werden. Von 2012 bis 2016 gab es sogar eine Preisstufe E, die jedoch relativ schnell wieder abgeschafft wurde. Notwendig wurde dies im Zuge der Koch-Steinbrück-Kürzungen, als nicht nur SPNV-Leistungen abbestellt werden mussten, sondern auch Fahrpreiserhöhungen und eine ergiebigere Gestaltung des Tarifs umgesetzt wurden. Andernfalls wären damals noch deutlich mehr Verkehrsleistungen weggefallen. Die Aufgabenträger waren in dieser Zeit bundesweit finanziell unterausgestattet und mussten reagieren. Nun geht man wieder den Weg hin zu vereinfachten und übersichtlicheren Tarifstrukturen.
Die neue – beziehungsweise alte – ABC-Systematik gilt verbundweit und sorgt für Transparenz bei der Ticketwahl. Fahrgäste können auf einen Blick erkennen, welches Ticket sie benötigen – unabhängig davon, ob sie gelegentlich oder regelmäßig unterwegs sind. Ergänzt wird dieses Angebot weiterhin durch das Deutschlandticket sowie durch eezy.nrw, bei dem Fahrgäste digital ein- und auschecken und ausschließlich die tatsächlich gefahrene Strecke bezahlen.
Inzwischen ist eezy.nrw technisch so weit fortgeschritten, dass Fahrten zwischen zwei Haltestellen auch nicht mehr teurer werden können, als sie mit einem vergleichbaren Papierticket gekostet hätten – was zuvor in Einzelfällen aufgrund der Tariflogik möglich war. Die eezy.nrw-App arbeitet darüber hinaus mit einer Bestpreisabrechnung: Wer überraschend oder ungeplant häufiger fährt, wird automatisch auf den aktuellen Preis des Deutschlandtickets gedeckelt und muss keine unerwarteten Mehrkosten befürchten.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
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Quelle: Zughalt.de