22.05.26
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat nun auch für das Saarland seine Leistungskostengutachten vorgelegt. Mit den beiden Szenarien „Modernisierung 2040“ und „Deutschlandangebot 2040“ beschreibt das Gutachten, wie sich der ÖPNV im Saarland entwickeln kann. Beide Wege führen jedoch nur dann zum Erfolg, wenn die Finanzierung entsprechend mitwächst. Schon heute tragen die Verkehrsunternehmen stark gestiegene Kosten für Personal, Energie, Fahrzeuge und Digitalisierung – bei gleichzeitig begrenztem Spielraum auf der Einnahmenseite.
Uwe Hiltmann, Vorsitzender der VDV-Landesgruppe Südwest, sagte: „Das Saarland braucht einen ÖPNV, der zuverlässig funktioniert und den Menschen im Alltag echte Mobilitätsoptionen bietet. Das Gutachten zeigt: Wenn Politik und Branche jetzt gemeinsam handeln, können wir Angebot und Qualität im ganzen Land sichtbar verbessern – nicht nur in Saarbrücken, sondern auch darüber hinaus.“
Der ÖPNV im Saarland erbrachte 2024 rund 42,8 Millionen Nutzfahrzeug- beziehungsweise Nutzzugkilometer. Der Bus dominiert mit 78 Prozent der Betriebsleistung, bei der Nachfrage hat er mit fünfzig Prozent ebenfalls das größte Gewicht. Der SPNV kommt auf vierzig Prozent, die Sparte Tram auf zehn Prozent.
Die Aufwendungen im ÖPNV lagen 2024 bei 385 Millionen Euro. Davon konnten knapp 128 Millionen Euro durch Fahrgelderlöse und sonstige Erlöse gedeckt werden. Der öffentliche Finanzierungsbedarf lag damit bereits heute bei knapp 258 Millionen Euro.
Die beiden Szenarien im VDV-Gutachten zeigen die Entwicklungsperspektiven des saarländischen ÖPNV-Angebots in unterschiedlicher Größenordnung.
Im Szenario „Modernisierung 2040“ verändert sich das Angebot nur leicht, die Nachfrage geht aus demografischen Gründen um zwei Prozent zurück. Der Finanzierungsbedarf steigt von 258 Millionen Euro im Jahr 2024 auf rund 453 Millionen Euro im Jahr 2040. Die jährliche Steigerung beläuft sich auf etwa zwölf Millionen Euro. Dieses Szenario sichert den Bestand, baut den Bedarf an Erneuerungsinvestitionen ab und macht den ÖPNV robuster. Besonders stark steigen die Bedarfe bei der Sparte Tram, weil dort umfangreiche Grunderneuerungen anstehen.
Im Szenario „Deutschlandangebot 2040“ gibt es saarlandweite Mindestbedienstandards im Busverkehr und zusätzliche Angebote, etwa im Bereich von Rufverkehrssystemen. Der SPNV wird ausgebaut, beispielsweise durch Reaktivierungen der Primstalbahn und der Bisttalbahn. Die Zahl der Sitzplatzkilometer steigt um 52 Prozent, die Nachfrage um 27 Prozent. Der Finanzbedarf steigt auf jährlich 836 Millionen Euro – das entspräche einer jährlichen Steigerung von etwa 36 Millionen Euro.
Zugleich zeigt das Gutachten: Mit der Bestellung zusätzlicher SPNV-Leistungen im Zusammenhang mit der S-Bahn Saarland hat sich das Land bereits auf den Weg in Richtung Deutschlandangebot gemacht. In jedem Fall zeigt sich jedoch: Eine ernsthafte Eisenbahn- und ÖPNV-Politik muss verlässlich aus öffentlichen Mitteln finanziert werden.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de