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DB Cargo: Stellenabbau angekündigt

29.05.26

DB Cargo plant in den kommenden vier Jahren, also bis 2030, rund 6.200 Stellen abzubauen, damit das Unternehmen aus den roten in die schwarzen Zahlen fahren kann. Das hat Unternehmenschef Bernhard Osburg in der vergangenen Woche in der Rheinischen Post noch einmal bestätigt. Aktuell hat das Unternehmen rund 14.000 Beschäftigte – damit würde nahezu jeder zweite Arbeitsplatz wegfallen.

Bereits seit längerem kommuniziert das Unternehmen gegenüber seiner Belegschaft, dass jeder Mitarbeiter, der freiwillig kündigt oder sich konzernintern auf eine Versetzung bewirbt, bei der Sanierung helfen würde. „Das ist sehr bitter, aber leider nötig, damit DB Cargo wieder rentabel wird und eine Zukunft hat. Und damit am Ende rund 19.000 Arbeitsplätze in Europa erhalten bleiben. Deutschlands Wirtschaft ist seit 2019 im Rückwärtsgang, unsere Kunden wie Auto-, Chemie- und Stahlindustrie sind in der Krise. Trotzdem wurde der Personalbestand von DB Cargo nicht hinreichend angepasst. Das holen wir nun nach“, so Osburg in der Rheinischen Post.

Eine große Rolle spielt hierbei die Demographie, denn auch bei DB Cargo läuft – wie im gesamten Konzern und branchenweit – die Verrentungswelle. Betriebsbedingte Entlassungen sind bei der Deutsche Bahn AG dauerhaft ausgeschlossen, sodass auch DB Cargo den Personalbestand anderweitig reduzieren muß, etwa durch Abfindungsangebote, natürliche Fluktuation, Einstellungsstopps oder schlimmstenfalls auch durch eine Versetzung zu DB Jobservice.

Auch DB Cargo ist an den konzerninternen Arbeitsmarkt angeschlossen. Das heißt: Ein Lokführer, der aktuell Güterzüge fährt, kann sich konzernintern beispielsweise auch bei DB Regio oder DB Fernverkehr bewerben, wo der Personalbedarf ebenfalls hoch ist. Es gibt also auch für jüngere Mitarbeiter durchaus Perspektiven innerhalb des DB-Konzerns, wenn auch nicht zwingend dauerhaft bei DB Cargo.

Dennoch kommt scharfe Kritik von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Bei der Betriebsversammlung machte die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) eindringlich auf die Situation junger Angestellter aufmerksam. Die JAV-Vorsitzende Julia Bahner schilderte die Lage aus eigener Perspektive. Sie steht kurz vor dem Abschluß ihrer Ausbildung und damit vor der drohenden Arbeitslosigkeit – ebenso wie 27 weitere Auszubildende im Betrieb. Bereits im vergangenen Jahr wurden keine Auszubildenden übernommen. Dass sich diese Situation nun wiederholt, sorgt für großes Unverständnis und Frustration.

Die Kritik richtet sich insbesondere gegen die fehlenden Perspektiven: Trotz guter Ausbildung und erheblicher Investitionen gibt es kaum Übernahmeangebote. Zwei Stellenangebote für mehr als zwanzig Auszubildende – und das an weit entfernten Standorten wie Weil am Rhein oder Nürnberg – sind aus Sicht der JAV keine realistische Lösung. Ein Umzug quer durch Deutschland ist für viele mit einem Azubi-Gehalt nicht machbar. Neben der drohenden Arbeitslosigkeit gibt es jedoch auch weitere berufliche Perspektiven innerhalb und außerhalb des DB-Konzerns.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de