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München: Tunnelbohrmaschine ist fertig

29.05.26

Die erste Tunnelbohrmaschine (TBM) für den Bau der zweiten Stammstrecke in München steht bereit: Der Hersteller Herrenknecht hat die Maschine in der vergangenen Woche dem Bauherrn DB InfraGo vorgestellt und an die ARGE Tunnel Hauptbahnhof übergeben. Damit rückt der Start des maschinellen Tunnelbaus für eines der größten Infrastrukturprojekte Deutschlands näher. Die TBM wird nun in Einzelteile zerlegt, zur Startbaugrube nahe der Donnersbergerbrücke transportiert und dort wieder aufgebaut. Ab September soll sie einen rund drei Kilometer langen Rettungstunnel herstellen. Dieser dient zugleich als Erkundungsstollen für die späteren Verkehrstunnel der zweiten Stammstrecke.

„Die erste Tunnelbohrmaschine ist unser Pfadfinder. Mit ihr gewinnen wir wichtige Erkenntnisse über den Münchner Untergrund und können damit den Einsatz der Tunnelbohrmaschinen für die noch größeren Verkehrstunnel vorbereiten“, sagt Gesamtprojektleiter Kai Kruschinski-Wüst.

Die Spezialmaschine ist rund 178 Meter lang, etwa 700 Tonnen schwer und hat einen Durchmesser von fünf Metern. Entwickelt wurde sie eigens für die anspruchsvollen Bedingungen unter der Münchner Innenstadt. Die Tunnel der zweiten Stammstrecke verlaufen in mehr als vierzig Metern Tiefe unter dem Grundwasserspiegel und führen stellenweise dicht unter bestehenden S- und U-Bahn-Linien hindurch.

Zum Einsatz kommt deshalb eine sogenannte Mixshield-Tunnelbohrmaschine, die von der ARGE Tunnel Hauptbahnhof gemeinsam mit Herrenknecht entwickelt wurde. Zur Arbeitsgemeinschaft gehören die Unternehmen Wayss & Freytag Ingenieurbau, Max Bögl, Ed. Züblin sowie Bauer Spezialtiefbau.

Die TBM stabilisiert den Boden bereits während des Vortriebs und gilt daher als besonders setzungsarm: Im Bohrkopf wird das Erdreich mit einer Stützflüssigkeit vermischt, um den Druck im Untergrund präzise zu steuern. So können Setzungen an der Oberfläche minimiert werden – ein entscheidender Faktor beim Tunnelbau unter dicht bebautem Stadtgebiet.

Während sich die Tunnelbohrmaschine nach vorne arbeitet, entsteht direkt dahinter bereits der fertige Tunnel: Aus tonnenschweren Betonsegmenten – sogenannten Tübbingen – setzt die Maschine Ring für Ring die Tunnelröhre zusammen. Insgesamt entstehen sechs Tunnelröhren: je zwei Verkehrstunnel aus Westen und Osten in Richtung Innenstadt sowie zwei Erkundungs- und Rettungstunnel. Der Vortrieb für den ersten Verkehrstunnel soll voraussichtlich 2028 starten.

Die Deutsche Bahn lädt die Münchner dazu ein, der ersten Tunnelbohrmaschine der zweiten Stammstrecke einen Namen zu geben: Ab Sommer können Bürger Vorschläge einreichen und anschließend online über ihre Favoriten abstimmen. Details zum Beteiligungsprozess will die DB in Kürze vorstellen.

Die Deutsche Bahn AG betreibt mit mehr als 750 Eisenbahntunneln und rund 650 Kilometern Gesamtlänge eines der größten Tunnelnetze Europas, das im Rahmen der zweiten S-Bahn-Stammstrecke in München noch einmal weiter wachsen wird.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de