03.06.26
In Sachsen-Anhalt kommt es immer häufiger zu Störungen an der Eisenbahninfrastruktur. Seit letzter Woche dürfen Züge auf der Hauptstrecke zwischen Magdeburg und Dessau über mehrere Kilometer hinweg nur noch mit 20 km/h fahren – was die Fahrplaneinhaltung nahezu unmöglich macht und die Zuverlässigkeit des Eisenbahnverkehrs massiv senkt.
„Der Zustand der Schieneninfrastruktur in Sachsen-Anhalt ist an zu vielen Stellen nicht mehr akzeptabel“, sagte Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP). „Wenn Langsamfahrstellen, Stellwerksprobleme, Bahnübergangsstörungen und weitere Infrastrukturmängel den Verkehr über Wochen oder Monate beeinträchtigen, ist das kein Einzelfall mehr, sondern ein strukturelles Problem“, fügte sie hinzu. „Die Fahrgäste haben ein Recht auf eine Infrastruktur, die einen verlässlichen und stabilen Fahrplan ermöglicht.“
Die neueste Langsamfahrstelle steht nach Einschätzung der landeseigenen NASA GmbH exemplarisch für eine Entwicklung, die den Schienenverkehr vor allem im Raum Magdeburg zunehmend belastet. Neben der Strecke zwischen Magdeburg und Dessau bestehen weitere kritische Punkte im Netz. Dazu zählen eingleisige Streckensperrungen zwischen Magdeburg und Burg im Zusammenhang mit dem Neubau des Stellwerks Gerwisch, weitere Langsamfahrstellen im Bereich Zielitz aufgrund bergbaubedingter Einschränkungen, Infrastrukturmängel in Magdeburg-Sudenburg sowie tägliche Störungen an Bahnübergängen auf der Strecke nach Braunschweig.
„Diese permanenten Probleme konterkarieren unsere gemeinsamen Anstrengungen, den Menschen einen komfortablen und verlässlichen öffentlichen Nahverkehr zu bieten. Für die Jahre 2025 und 2026 stehen mehr als 212 Millionen Euro für Investitionen bereit, darunter über 76 Millionen Euro aus Landesmitteln. Mit diesen Geldern werden wichtige Projekte wie neue Haltepunkte, moderne Bahnhöfe sowie Park+Ride- und Bike+Ride-Angebote unterstützt. Voraussetzung dafür, dass diese Investitionen ihre volle Wirkung entfalten, ist jedoch eine funktionierende Infrastruktur“, betonte die Ministerin.
Allerdings ist das Eisenbahnrecht so strukturiert, dass der Aufgabenträger gerade keinen Rechtsanspruch gegenüber DB InfraGo hat. Die Auswirkungen sind für die Fahrgäste – auch durch gegenseitige Wechselwirkungen wie den Rückstau von Güterzügen – immer stärker spürbar. Die Einschränkungen führen vermehrt zu Verspätungen, instabilen Fahrplänen, verpassten Anschlüssen und zusätzlichen Belastungen im täglichen Verkehr.
Da viele Störungen sehr kurzfristig auftreten, können diese von den Eisenbahnverkehrsunternehmen in der Fahrgastinformation oft nicht vernünftig kommuniziert werden. Dies sorgt bei den Fahrgästen für zusätzlichen Frust. Hinzu kommt, dass die Beseitigung von Störungen häufig Wochen oder sogar Monate dauert und oftmals nicht nachhaltig ist. Besonders betroffen ist hiervon die Strecke von Magdeburg nach Wolfsburg.
Auch statistisch zeigt sich die Entwicklung deutlich. Die Pünktlichkeitsstatistik der NASA GmbH weist einen Rückgang der Pünktlichkeit im Schienenpersonennahverkehr von 94 Prozent im Jahr 2021 auf nur noch 84 Prozent im Jahr 2025 aus. Dabei gelten Züge mit einer Verspätung bis 4:59 Minuten noch als pünktlich.
Aus Sicht der NASA GmbH, die im Auftrag des Landes den Schienenpersonennahverkehr plant und organisiert, verschärfen zusätzliche Umleiterverkehre im Fern- und Güterverkehr die Lage im Raum Magdeburg weiter. Diese entstehen unter anderem infolge der bundesweiten Generalsanierungen anderer Korridore. Gleichzeitig konnten notwendige Ausbau- und Instandhaltungsmaßnahmen in der Region bislang nicht im erforderlichen Umfang umgesetzt werden.
Nach den Worten von Lydia Hüskens hat das Land erkennbare Problembereiche frühzeitig gegenüber der DB InfraGo benannt und wirkt auch weiterhin darauf hin, dass Einschränkungen möglichst gar nicht erst eintreten. Das Land fordert von der DB InfraGo kurzfristige Gegenmaßnahmen.
„Besonders kritische Langsamfahrstellen müssen zügig saniert, Instandhaltung und Reparatur in der Region mit zusätzlichen Mitteln und Ressourcen gestärkt und die Betriebsqualität im Schienenpersonennahverkehr stabilisiert werden“, forderte die Ministerin abschließend. Dies gelte umso mehr mit Blick auf die ab Oktober anstehende Generalsanierung Berlin – Stendal – Wolfsburg – Hannover und die dafür vorgesehene Umleitungsstrecke über Magdeburg – Braunschweig.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de