12.06.26
Bei der Elektrifizierung des deutschen Schienennetzes geht es weiterhin nur langsam voran. Wie die Allianz pro Schiene mitteilt, ist der Anteil elektrifizierter Strecken im Bundesschienennetz innerhalb der vergangenen fünfzehn Jahre lediglich um vier Prozentpunkte gestiegen. Im Jahr 2025 kamen bundesweit gut sechzig Kilometer neu elektrifizierte Strecken hinzu. Damit waren Ende vergangenen Jahres knapp 63 Prozent des Bundesschienennetzes mit Oberleitungen ausgestattet.
Aus Sicht der Allianz pro Schiene ist diese Entwicklung unzureichend. Gerade vor dem Hintergrund der politischen Zielsetzung, den Verkehrsträger Schiene zu stärken, seien deutlich höhere Ausbaugeschwindigkeiten erforderlich.
Verbandsgeschäftsführer Dirk Flege erklärt: „Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, mehr Tempo zu machen bei der Elektrifizierung der Schiene, und auf vielen Strecken könnte es auch direkt losgehen. Doch ausgerechnet das Bundesverkehrsministerium steht gerade bei zahlreichen Projekten auf der Bremse. Das passt nicht zu der Ansage, dass alles, was baureif ist, auch gebaut werden soll. Die Schiene darf beim beschleunigten Infrastrukturausbau nicht außen vor gelassen werden.“
Nach Auffassung des Verkehrsbündnisses sind zusätzliche Oberleitungen notwendig, um die vorhandenen Kapazitäten im Schienennetz besser auszunutzen. Elektrifizierte Strecken bieten insbesondere bei Bauarbeiten mehr Umleitungsmöglichkeiten und erhöhen die Leistungsfähigkeit des Netzes. Zudem können im Güterverkehr längere und schwerere Züge eingesetzt werden.
„Wo Züge mit Strom fahren, kann der Personen- und Güterverkehr auf der Schiene besser fließen. Je mehr Oberleitungen wir im Schienennetz haben, desto mehr Ausweichmöglichkeiten gibt es für Züge, gerade auch bei größeren Baumaßnahmen. Oberleitungen bedeuten, dass im Schienengüterverkehr längere und schwerere Züge fahren können. Und mehr Oberleitungen bewirken auch, dass wir die letzten Diesel-Loks bald in Rente schicken und die Züge ihren Klimavorteil noch stärker ausspielen können. Aus all den Gründen ist es so wichtig, dass der Bund hier schneller wird“, so Flege.
Bereits Ende 2022 hatte die Beschleunigungskommission Schiene Vorschläge vorgelegt, um den Ausbau von Oberleitungen zu beschleunigen und die Elektrifizierung auf bestehenden Strecken zum Regelfall zu machen.
„Es gäbe schon in der Planungsphase die Möglichkeit, den Turbogang einzulegen, indem man bei der Elektrifizierung im Bestandsnetz auf aufwändige und zeitraubende einzelfallbezogene Kosten-Nutzen-Berechnungen verzichtet. Zusätzliche Mittel für die Elektrifizierung sollten aus dem Klima- und Transformationsfonds bereitgestellt werden. All das hat sich die Bundesregierung auch in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, umgesetzt hat sie es allerdings noch nicht. Der Bund darf hier nicht noch mehr wertvolle Zeit verlieren“, erklärt Flege.
Nach Einschätzung der Allianz pro Schiene wäre es durchaus realistisch, den Elektrifizierungsgrad des deutschen Schienennetzes bis zum Jahr 2035 auf 80 Prozent zu erhöhen, sofern die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de