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Stadler eröffnet Abnahmezentrum

12.06.26

Hennigsdorf wird zu einem der modernsten Inbetriebsetzungsstandorte Europas. Im neuen Kundenabnahmezentrum von Stadler können Züge künftig unter den elektrischen Systemen ihrer späteren Einsatzländer geprüft werden. Am Standort entstehen insgesamt 128 zukunftssichere Arbeitsplätze.

Wenn ein neu gebauter Stadler-Zug künftig erstmals unter Strom gesetzt wird, geschieht dies in Hennigsdorf. An der August-Conrad-Straße hat der Schweizer Schienenfahrzeughersteller jetzt die Halle 1, das neue Kundenabnahmezentrum, feierlich eröffnet. Damit ist die zweite von insgesamt fünf Ausbaustufen abgeschlossen, mit denen der Standort bis 2027 zu einem vollwertigen Inbetriebsetzungszentrum (IBS) ausgebaut wird. Generalunternehmer des Projekts ist das Bauunternehmen S&V.

Künftig werden im Landkreis Oberhavel nördlich von Berlin sämtliche Züge betriebsbereit gemacht, die im nahegelegenen Stadler-Werk Berlin-Pankow gefertigt werden. Die Inbetriebsetzung umfasst dabei alle Schritte zwischen der Montage und der Übergabe an den Kunden. Dazu gehören das Hochfahren der Bordsysteme, Hard- und Softwaretests im Stand und während der Fahrt sowie statische und dynamische Abnahmen.

Mit dem neuen Standort kann Stadler künftig mehrere Großaufträge parallel bearbeiten. Das Unternehmen ist seit mehr als zwanzig Jahren in der Metropolregion Berlin-Brandenburg präsent. Mit Hennigsdorf werden Aktivitäten gebündelt, die bislang am Inbetriebsetzungsstandort Velten angesiedelt waren.

Im Jahr 2023 erwarb Stadler das rund 46.000 Quadratmeter große Grundstück in Hennigsdorf. Der Standort blickt auf eine mehr als hundertjährige Tradition im Schienenfahrzeugbau zurück und liegt nur wenige Kilometer vom Fertigungswerk in Berlin-Pankow entfernt. Das Investitionsvolumen beträgt rund vierzig Millionen Euro.

Die jetzt eröffnete Halle 1 dient als Kundenabnahmezentrum und ist auf die finale Übergabe der Fahrzeuge ausgelegt. Sie umfasst 3.360 Quadratmeter Fläche, ist rund 183 Meter lang und verfügt über drei Hallengleise. Zwei davon sind mit durchgehender Grubenwanne und Seitengrube ausgestattet.

Besonders hervor hebt Stadler drei technische Merkmale der neuen Halle. Feste Dacharbeitsstände ermöglichen es Mitarbeitern und Kunden, ohne mobile Arbeitsbühnen direkt auf Dachhöhe der Fahrzeuge zu arbeiten. Dort können unter anderem Stromabnehmer, Klimaanlagen und Bremsanlagen geprüft und vorgeführt werden. Dies beschleunigt die Abnahmeprozesse und erhöht zugleich die Arbeitssicherheit.

Zudem verfügt die Halle erstmals in einem deutschen Stadler-Werk über eine eigene Oberleitung. Dadurch können die Fahrzeuge bereits in der Halle unter realen Bedingungen mit Fahrleitungsspannung in Betrieb genommen und gemeinsam mit den Kunden getestet werden.

Das technische Herzstück des Standorts bildet die Mehrspannungsversorgungsanlage (MSVA). Sie ermöglicht die Simulation verschiedener Bahnstromsysteme in Europa. Während in Deutschland, Österreich und der Schweiz überwiegend 15 kV bei 16,7 Hz verwendet werden, kommen beispielsweise in Frankreich und Spanien meist 25 kV bei 50 Hz zum Einsatz. Auch Stromschienensysteme für städtische Bahnen können in Hennigsdorf simuliert werden.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de