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VDV fordert Zivilschutzkonzepte

15.06.26

Eisenbahn und öffentlicher Personennahverkehr sind nach Auffassung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) weit mehr als reine Verkehrsträger. Mit dem auf der VDV-Jahrestagung 2026 in Karlsruhe vorgestellten Positionspapier „Krisenfeste Mobilität: Eisenbahn, Bus und Infrastruktur für Verteidigung, Zivil- und Katastrophenschutz“ fordert der Verband, Bahnen, Busse und ihre Infrastruktur stärker als Teil der deutschen Sicherheitsarchitektur zu betrachten.

VDV-Präsident Ingo Wortmann betont: „Eisenbahn und ÖPNV sichern nicht nur Mobilität, sondern im Ernstfall staatliche Handlungsfähigkeit, Versorgung und Schutz der Bevölkerung. Wer Sicherheit und Resilienz ernst nimmt, muss Bahnen, Busse und ihre Infrastrukturen deshalb als Teil der Sicherheitsarchitektur Deutschlands behandeln – mit klaren Zuständigkeiten, ausreichend Personal und verlässlicher Finanzierung.“

Aus Sicht des Verbandes kommt der Eisenbahn für Verteidigungsfähigkeit und Versorgungssicherheit eine zentrale Rolle zu. Sie ermöglicht schwere und großvolumige Transporte für militärische Verlegungen über strategische Korridore und Grenzübergänge hinweg. Voraussetzung dafür sei jedoch ein leistungsfähiges und redundantes Infrastrukturnetz. Dazu zählen belastbare Güterverkehrskorridore, leistungsfähige Knotenpunkte, robuste Brücken, ein geschütztes Bahnstromsystem, widerstandsfähige Leit- und Sicherungstechnik sowie ausreichende Möglichkeiten zur schnellen Wiederherstellung beschädigter Infrastruktur.

Ebenso wichtig seien ausreichend Fahrzeuge sowie geschultes Personal. Triebfahrzeugführer, Fahrdienstleiter, Mitarbeiter in Betriebsleitzentralen sowie technisches und betriebliches Personal müssten auch auf Krisensituationen vorbereitet sein, damit der Betrieb im Ernstfall aufrechterhalten werden kann. Der VDV fordert deshalb eine engere Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr, Eisenbahnunternehmen und Busbranche.

Besonderen Handlungsbedarf sieht der Verband bei der Elektrifizierung des Schienennetzes. Derzeit sind in Deutschland rund sechzig Prozent des Netzes elektrifiziert. Das politische Ziel liegt bei mindestens 75 Prozent bis zum Jahr 2030.

Als besonders problematisch bewertet der VDV die Situation an den internationalen Grenzübergängen. Von insgesamt 57 Grenzübergängen sind bislang lediglich 28 elektrifiziert. Der größte Nachholbedarf besteht an den Grenzen zu Polen und zur Tschechischen Republik. Gerade dort könnten bei militärischen Transporten oder großräumigen Umleitungsverkehren erhebliche Engpässe entstehen.

Nach Ansicht des Verbandes reicht der Ausbau von Oberleitungen allein jedoch nicht aus. Notwendig seien auch Systemwechselbahnhöfe, interoperable Leit- und Sicherungstechnik sowie Lokomotiven, die in verschiedenen Stromsystemen eingesetzt werden können. Nur so könnten grenzüberschreitende Verkehre und Umleitungen im Krisenfall zuverlässig abgewickelt werden.

Gleichzeitig warnt der VDV davor, durch die Elektrifizierung neue Verwundbarkeiten zu schaffen. Erforderlich seien daher redundante Bahnstromanlagen, mobile Umspann- und Schaltanlagen, Ersatztransformatoren sowie Rückfallkonzepte für Stellwerke und Betriebssteuerung.

Hinzu kommt ein erheblicher Modernisierungsbedarf bei der Leit- und Sicherungstechnik. Nach Angaben des Verbandes sind in Deutschland derzeit mehr als 3.500 Stellwerke in Betrieb, deren Technik aus elf Jahrzehnten stammt.

Wortmann erklärt dazu: „Ein leistungsfähiges Eisenbahnsystem war in Deutschland historisch nie nur Infrastruktur für Verkehr, sondern immer auch Grundlage für Versorgung, staatliche Handlungsfähigkeit und Resilienz. Genau daran müssen wir heute anknüpfen: Eine Eisenbahn, die im Krisenfall trägt, ist auch im Alltag robuster, leistungsfähiger und nützlicher für Wirtschaft, Gesellschaft und Staat. Stellwerke mit Systemen von vor hundert Jahren haben deswegen keinen Platz mehr.“

Auch dem öffentlichen Nahverkehr kommt nach Ansicht des VDV eine wichtige Rolle im Zivil- und Katastrophenschutz zu. Busse und Bahnen sichern die Grundmobilität, ermöglichen Evakuierungen und Sonderverkehre und tragen dazu bei, Städte und Regionen auch in Krisensituationen funktionsfähig zu halten. Darüber hinaus können Haltestellen und Verkehrsanlagen als Versorgungs- und Evakuierungspunkte genutzt werden.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
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Quelle: Zughalt.de