16.06.26
Nach der Anlieferung des ersten Fahrzeugs Ende vergangenen Jahres stehen beim VDV-Tramtrain-Projekt nun umfangreiche Test-, Zulassungs- und Systemprüfungen im Mittelpunkt. Darüber informierten die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) und die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) im Rahmen der VDV-Jahrestagung in Karlsruhe. Seit Mitte Mai befindet sich zudem ein erstes Fahrzeug für die VBK vor Ort. Mit zwei weiteren Fahrzeugen, deren Anlieferung für Juni vorgesehen ist, wächst die Flotte für die laufende Erprobungsphase weiter an.
Die neuen Fahrzeuge sollen künftig sowohl im Straßenbahnnetz als auch auf Eisenbahnstrecken eingesetzt werden und schrittweise ältere Fahrzeuggenerationen ersetzen. Derzeit stehen unter anderem Bremsversuche, Fahrten unter unterschiedlichen Infrastrukturbedingungen sowie Tests des Systemwechsels zwischen 750 Volt Gleichspannung und 15 Kilovolt Wechselspannung auf dem Programm. Mit den beiden Fahrzeugen, die am 12. Juni angeliefert werden sollen, beginnen zudem die Test- und Versuchsfahrten in Mehrfachtraktion. Parallel dazu laufen Schulungen für Fahr- und Werkstattpersonal.
Von besonderer Bedeutung für das Gesamtprojekt ist die Inbetriebnahme der Referenzfahrzeuge bei der Saarbahn. Die dort gewonnenen Erfahrungen fließen unmittelbar in die weiteren Zulassungs- und Erprobungsprozesse der beteiligten Partner ein.
„Mit den neuen Fahrzeugen beginnt für uns weit mehr als die Einführung einer neuen Baureihe. In den vergangenen Monaten haben wir die Voraussetzungen geschaffen, um das Zusammenspiel von Fahrzeug, Infrastruktur und Betrieb unter realen Bedingungen zu erproben. Damit entwickeln wir das Karlsruher Modell konsequent weiter und schaffen die Grundlage für einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr in Stadt und Region“, sagt Christian Höglmeier, technischer Geschäftsführer von AVG und VBK.
Das VDV-Tramtrain-Projekt geht über eine klassische Fahrzeugbeschaffung hinaus. Sechs Verkehrsunternehmen aus Deutschland und Österreich haben gemeinsam eine einheitliche Fahrzeugplattform für moderne Tramtrain-Systeme entwickelt. Die Fahrzeuge basieren auf einer gemeinsamen technischen Grundstruktur, können jedoch an die jeweiligen Anforderungen der beteiligten Netze angepasst werden. Über die bestehenden Rahmenverträge können insgesamt bis zu 504 Fahrzeuge beschafft werden.
„Das Besondere an diesem Projekt ist die enge Zusammenarbeit der beteiligten Betreiber, der Firma Stadler und den Zulassungsbehörden. Da aktuell nicht nur in Karlsruhe, sondern auch in Saarbrücken und Eferding bei Linz die Inbetriebnahmen laufen, spürt man deutlich, dass sich durch die Kooperation nicht nur Preisvorteile ergeben haben, sondern sich auch Erfahrungen und Wissen optimal ergänzen. Wir arbeiten nicht daran, wer der Erste ist – das wird aufgrund der Variantenzulassung ohnehin die Saarbahn sein –, sondern gemeinsam an den Herausforderungen des Projekts“, erklärt Thorsten Erlenkötter, Gesamtprojektleiter VDV-Tramtrain bei den VBK.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de