18.06.26
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fordert ein entschlossenes politisches Handeln bei der Einführung des autonomen Fahrens in Deutschland. Zwar sieht der Koalitionsvertrag der Bundesregierung vor, Deutschland zu einem Leitmarkt für autonomes Fahren zu entwickeln, eine übergreifende Strategie zur Umsetzung dieses Ziels fehlt nach Ansicht des Verbandes jedoch weiterhin.
Statt einer koordinierten Gesamtstrategie setzen Bund und Länder aus Sicht des VDV bislang vor allem auf einzelne Pilotprojekte und Fördermaßnahmen. Dadurch drohe Deutschland im internationalen Wettbewerb den Anschluss zu verlieren.
„Beim autonomen Fahren herrscht weltweit eine große Dynamik, die vor allem aus Ländern wie den USA und China kommt. Deshalb ist der im Koalitionsvertrag formulierte Anspruch, dass Deutschland als eine der führenden Industrienationen hier Leitmarkt sein will, absolut richtig. Aber bislang fehlen zu dieser Willensbekundung die entsprechenden politischen Taten. Wir brauchen dringend eine zwischen Bund und Ländern abgestimmte Leitmarkt-Strategie, die dann konsequent und mit höchster Priorität umgesetzt werden muss. Denn niemand weltweit wartet bei der Umsetzung des autonomen Fahrens auf Deutschland. Für die Anbieter der öffentlichen Mobilität auf Schiene und Straße kann ich klipp und klar sagen: Die Branche steht mit Projekten, Konzepten und Strategien bereit. Was wir jetzt benötigen, ist der Startschuss der Politik, damit Deutschland am Rennen ums autonome Fahren teilnehmen kann und nicht an der Startlinie stehen bleibt. Hier geht es um nicht weniger als um den Industriestandort Deutschland“, erklärt VDV-Präsident Ingo Wortmann.
Neben der fehlenden Gesamtstrategie kritisiert der VDV, dass sich die politische Diskussion bislang fast ausschließlich auf den Straßenverkehr konzentriert. Dabei böten gerade schienengebundene Verkehrssysteme gute Voraussetzungen für die Einführung autonomer Fahrtechnologien.
Nach Ansicht des Verbandes sollten deshalb alle Verkehrsträger in die Überlegungen einbezogen werden. Insbesondere Stadtbahnen und U-Bahnen könnten von der Automatisierung profitieren, da sie spurgebunden verkehren und vielfach unabhängig vom übrigen Straßenverkehr betrieben werden.
Während für autonome Fahrzeuge auf der Straße bereits seit 2021 ein rechtlicher Rahmen besteht, fehlen vergleichbare Regelungen für schienengebundene Systeme bislang weitgehend.
„Wir haben in einem aktuellen Positionspapier den politisch notwendigen Handlungsrahmen beschrieben. Wir bieten dem Bund und den Ländern an, dazu sofort mit uns in den fachlichen Austausch zu kommen, damit es vorangeht und wir keine weitere Zeit verlieren. Die Schiene ist für Automatisierung besonders naheliegend, aber der Rechtsrahmen bremst sie aus“, sagt VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de