19.06.26
Mit Blick auf die Rheinkirmes 2026, eine der besucherstärksten Veranstaltungen Düsseldorfs, testet die Rheinbahn erstmals den Einsatz einer durch Künstliche Intelligenz (KI) gestützten Anomalieerkennung. Die Technologie erkennt Abweichungen vom üblichen Geschehen auf Bahnsteigen und in Bahnhofsanlagen im Videokamerabild und meldet potenzielle Gefahrensituationen automatisch an die Leitstelle. Ziel ist es, Reaktionszeiten im Ereignisfall deutlich zu verkürzen und die Sicherheit für Fahrgäste weiter zu erhöhen.
Erkennt die KI beispielsweise eine Person im Gleisbereich oder eine körperliche Auseinandersetzung auf dem Bahnsteig, wird die Situation automatisch als potenziell kritisch eingestuft und an die Leitstelle gemeldet. Mitarbeitende können dadurch schneller reagieren und notwendige Maßnahmen einleiten.
„Der Einsatz moderner Technologien wie der KI-gestützten Anomalieerkennung ist für uns ein wichtiger Schritt, um die Sicherheit unserer Fahrgäste weiter zu stärken“, erklärt Christian Finke, Bereichsleiter Betrieb bei der Rheinbahn. „Wir investieren gezielt in innovative Lösungen, die uns dabei unterstützen, auf neue Herausforderungen schneller und effektiver zu reagieren. Nach erfolgreicher Erprobung prüfen wir auch einen Einsatz an weiteren Standorten im Netz.“
Die Rheinbahn betreibt derzeit rund 500 stationäre Videokameras im gesamten Bediengebiet sowie weitere Kameras in rund 800 Fahrzeugen des Linienbetriebs. Eine lückenlose Beobachtung aller Bilder durch Mitarbeiter ist dabei nicht möglich.
Im Rahmen eines sechsmonatigen Pilotprojekts stattet die Rheinbahn ab Anfang Juli zunächst rund zehn Kameras am U-Bahnhof „Heinrich-Heine-Allee“ mit der KI-Technologie aus. Das System wird darauf trainiert, sicherheitsrelevante Ereignisse wie Gewalthandlungen oder Personen im Gleisbereich zu erkennen und automatisch Alarm auszulösen.
Der Schutz personenbezogener Daten hat für die Rheinbahn höchste Priorität. Die KI analysiert die Videobilder ausschließlich in Echtzeit und speichert selbst keine Daten dauerhaft. Die Aufzeichnung erfolgt – wie bereits heute – über das bestehende Ringspeicherverfahren. Dabei werden die Daten für maximal 72 Stunden vorgehalten und anschließend automatisch überschrieben. Eine langfristige Speicherung oder Auswertung personenbezogener Daten findet nicht statt.
Damit die KI typische Situationen im Betriebsalltag zuverlässig unterscheiden kann, trainiert die Rheinbahn das System während der Betriebsruhe mit nachgestellten Szenarien. Mitarbeiter simulieren dabei verschiedene Ereignisse, um der KI sowohl kritische als auch unkritische Situationen zu vermitteln. So lernt das System beispielsweise, zwischen einer tatsächlichen Auseinandersetzung und einem freundschaftlichen Handschlag sowie anderen alltäglichen Bewegungsabläufen zu unterscheiden. Perspektivisch könnten weitere Anwendungsfälle hinzukommen, etwa die Analyse von Personendichten zur Unterstützung eines sicheren Besucherstrommanagements.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de