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Bayern feiert dreißig Jahre Regionalisierung

22.06.26

Im Sommer 2026 feiert man in Bayern das dreißigjährige Jubiläum der Regionalisierung im Eisenbahnverkehr: Nach der Gründung der DB AG am 1. Januar 1994 folgte am 1. Januar 1996 die Verantwortung der Länder für den Regionalverkehr. In Bayern ist seitdem die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) für die Ausgestaltung verantwortlich. Zum Dreißigjährigen zieht die BEG eine positive Bilanz: Das Angebot im bayerischen Regional- und S-Bahn-Verkehr ist seit 1995 um zwei Drittel gewachsen. Die Fahrgastnachfrage legte sogar noch stärker zu. Sie hat sich seit 1996 verdoppelt.

„Ohne die Regionalisierung stünde das Bahnland Bayern heute ganz anders da. Sie war ein Gamechanger für den Bahnverkehr in Bayern und hat es ermöglicht, den Regional- und S-Bahn-Verkehr über die Jahre hinweg näher an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort auszurichten“, sagt Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), der auch Aufsichtsratsvorsitzender der BEG ist. „Der Freistaat hat dabei von Beginn an konsequent auf Wettbewerb gesetzt. Damit haben wir es geschafft, aus den öffentlichen Mitteln für den SPNV möglichst viel Gegenwert für unsere Fahrgäste herauszuholen. Das reicht von dichteren Takten über modernere Fahrzeuge bis hin zu mehr Komfort.“

Seit 1996 müssen sich Eisenbahnverkehrsunternehmen um Verkehrsverträge bewerben, die von der BEG europaweit ausgeschrieben werden. Die BEG startete bundesweit die erste SPNV-Ausschreibung im Wettbewerb. Damals ging es um den Betrieb der Linien im Oberland. Mit der Bayerischen Oberlandbahn setzte sich gleich ein nichtstaatliches Verkehrsunternehmen durch. So ist das vormalige Monopol der Deutschen Bahn allmählich einem vielfältigen Nebeneinander nationaler und internationaler Nahverkehrsanbieter gewichen.

Heute fahren in Bayern 14 Eisenbahnverkehrsunternehmen im Auftrag der BEG. Als wesentlicher Erfolgsfaktor erwies sich die komplette Neugestaltung der Fahrpläne, in denen vor 1996 oft große Lücken klafften, besonders am Abend sowie an Wochenenden und Feiertagen. Damals fuhren auf vielen Linien über mehrere Stunden hinweg keine Züge, teilweise gab es gar keinen Zugverkehr. Doch ab 1996 führte die BEG Schritt für Schritt einen Integrierten Taktfahrplan nach Schweizer Vorbild ein.

Dieser „Bayern-Takt“ steht für ein landesweites Grundangebot im Stundentakt von frühmorgens bis spätabends und aufeinander abgestimmte Umsteigeverbindungen an den Knotenbahnhöfen. Heute werden 92 Prozent der 1.079 Bahnstationen in Bayern mindestens im Stundentakt bedient.

„Wenn heute über die Eisenbahn gesprochen wird, stehen häufig die marode Infrastruktur, Verspätungen und Zugausfälle im Mittelpunkt“, sagt BEG-Geschäftsführerin Bärbel Fuchs. „Doch der Blick auf die aktuelle Krise der Infrastruktur verdeckt die Erfolgsgeschichte im SPNV. Bayern hat in den vergangenen 30 Jahren aus einem ausgedünnten Regionalverkehr ein attraktives, landesweit vertaktetes Verkehrsangebot gemacht. Und die Fahrgäste honorieren das: Sie nutzen den SPNV heute doppelt so häufig wie noch vor dreißig Jahren.“

Sichtbar ist der Fortschritt durch die Regionalisierung auch bei den Fahrzeugen. Die BEG hat eine massive Modernisierung der Flotten angestoßen. Heute sind über 90 Prozent der Regionalzüge und S-Bahnen in Bayern klimatisiert und barrierefrei. Moderne Fahrgastinformationssysteme gehören zur Standardausrüstung, und Mehrzweckbereiche bieten Platz für Fahrräder, E-Scooter, Kinderwagen, Rollatoren und schweres Gepäck. Mehr als zwei Drittel der Fahrzeuge verfügen über kostenfreies WLAN für die Fahrgäste.

Trotz der positiven Bilanz steht gegenwärtig der SPNV in Bayern wie das gesamte Eisenbahnsystem in Deutschland unter Druck. Hauptverantwortlich ist die marode und vielerorts chronisch überlastete Eisenbahninfrastruktur. Die Einflussmöglichkeiten der BEG sind auf diesem Gebiet allerdings gering: Ausbau und Erhalt der Schieneninfrastruktur liegen gemäß Grundgesetz in der Verantwortung des Bundes.

Zudem begrenzen die knappen Finanzmittel die weitere Entwicklung. Der SPNV ist Teil der staatlichen Daseinsvorsorge und wird erheblich durch Steuergelder bezuschusst. Fahrgelderlöse decken in Bayern rund ein Viertel der Kosten, drei Viertel stammen aus öffentlichen Mitteln. Diese sogenannten Regionalisierungsmittel stellt der Bund den Ländern zur Verfügung. Die BEG hat im Jahr 2025 knapp 1,8 Milliarden Euro an Bestellerentgelten im Eisenbahnverkehr verausgabt.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de