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BDO zum automatisierten Fahren

22.06.26

Die bdo-Arbeitsgruppe „Automatisiertes Fahren im Busmittelstand“ hat das Projekt albus in Burgdorf besucht und sich vor Ort über den ersten automatisiert fahrenden Linienbus im Testbetrieb in Deutschland informiert. Vor diesem Hintergrund begrüßt der bdo die Initiative der Bundesregierung zur stärkeren europäischen Koordinierung beim autonomen Fahren, sieht aber auf nationaler Ebene die Notwendigkeit, Kräfte zu bündeln.

Die Strategie der Bundesregierung sollte stärker operative Ansätze verfolgen. Für den Markthochlauf autonomer Mobilitätsangebote hat der bdo fünf zentrale Handlungsfelder identifiziert. Autonomes Fahren entfaltet seinen Nutzen nur als Teil eines integrierten Mobilitätssystems. Isolierte Robotaxi-Angebote erzeugen zusätzlichen Verkehr und ziehen Fahrgäste aus bestehenden ÖPNV-Strukturen ab. Ziel muss es daher sein, autonome Angebote konsequent mit dem öffentlichen Verkehr zu verknüpfen und als Ergänzung bestehender Mobilitätsketten zu etablieren.

Autonomes Fahren darf sich nicht in einer Vielzahl voneinander unabhängiger Pilotprojekte und Einzelinitiativen verlieren. Wenn jede Kommune eigene Standards, Betriebsmodelle und Anforderungen entwickelt, drohen Insellösungen, die weder skalierbar noch miteinander kompatibel sind. Deutschland braucht deshalb eine bundesweit abgestimmte Strategie mit einheitlichen Rahmenbedingungen, damit erfolgreiche Projekte schnell in die Fläche gebracht und autonome Mobilitätsangebote für alle Regionen nutzbar werden.

Die politischen Leitplanken für autonomes Fahren müssen gesetzt werden, bevor sich neue Marktstrukturen verfestigen. Die Erfahrungen mit E-Scootern zeigen, wie schwierig eine nachträgliche Regulierung werden kann. Deutschland sollte daher frühzeitig definieren, wie autonome Angebote in das bestehende Mobilitätssystem eingebunden werden und welche gesellschaftlichen Ziele sie erfüllen sollen.

Die privaten und mittelständischen Busunternehmen bilden heute das Rückgrat der Mobilität in Deutschland. Autonomes Fahren darf diese Strukturen nicht verdrängen, sondern muss auf ihnen aufbauen. Die Unternehmen verfügen über jahrzehntelange Erfahrung in Betrieb, Wartung und Organisation öffentlicher Mobilität und sind damit unverzichtbare Partner für den erfolgreichen Einsatz neuer Technologien.

Deutschland benötigt einen zentralen Projektträger für autonomes Fahren im öffentlichen Verkehr – vergleichbar mit der Rolle, die die NOW GmbH beim Hochlauf alternativer Antriebe übernommen hat. Dieser sollte Pilotprojekte bündeln, den Wissenstransfer organisieren, Fördermittel koordinieren und erfolgreiche Ansätze in die Fläche bringen.

Neben ausreichender Finanzierung braucht es vor allem eine langfristige Strategie, damit Wertschöpfung, Innovation und technologische Kompetenz in Deutschland bleiben und nicht allein internationalen Technologiekonzernen überlassen werden. Modellregionen können dabei als Brücke zwischen Erprobung und bundesweitem Roll-out dienen.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de