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Akkuzüge in Sachsen-Anhalt

24.06.26

Dieselfahrzeuge im SPNV werden in den kommenden Jahren in Sachsen-Anhalt Stück für Stück durch emissionsfreie Fahrzeuge ersetzt. Laut einer Studie, die die NASA GmbH in Auftrag gegeben hat, sind dafür am besten Akkuzüge geeignet; sie sind als wirtschaftlichste Alternative unter anderem Wasserstoffzügen und Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor vorzuziehen. Ein solches Battery Electric Multiple Unit-Fahrzeug (kurz: BEMU) fuhr letzte Woche von Merseburg nach Braunsbedra, um zu zeigen, wie der Ersatz von Dieselzügen im bestehenden Netz künftig konkret aussehen kann.

Sven Haller (FDP), Verkehrsstaatssekretär in Sachsen-Anhalt: „Mit der im vergangenen Jahr abgeschlossenen Studie haben wir die Phase der Grundsatzprüfung hinter uns gelassen. Jetzt gehen wir bereits die nächsten Schritte, um den Umstieg auf die Akkuzüge einzuleiten. Dafür müssen zunächst einmal die Rahmenbedingungen, vor allem in der Infrastruktur, geschaffen werden. Darüber sprechen wir bereits mit der DB AG. Dann können wir einen langfristigen Beitrag zum Klimaschutz leisten und gleichzeitig wirtschaftlicher agieren. Unsere heutige Testfahrt hat gezeigt, dass ein klimafreundlicher Zugbetrieb ohne Diesel stellenweise bereits möglich ist.“

Um im bisherigen Dieselnetz Akkuzüge fahren zu lassen, müssen auf einigen Strecken sogenannte Oberleitungsinseln und Ladestationen gebaut werden. Diese Teilelektrifizierungen ermöglichen den Zügen, ihre Akkus immer wieder aufzuladen, während sie am Bahnhof stehen oder diese Abschnitte durchfahren. Sie verfügen aktuell im Batteriebetrieb über eine Reichweite von bis zu 120 Kilometern.

Ein solcher Einsatz kommt grundsätzlich auch auf der S-Bahn-Linie S11 infrage. Ob dies vor dem nächsten Verkehrsvertrag 2032 möglich ist, wird derzeit geprüft. Der Einsatz kann dort problemlos erfolgen, weil keine zusätzliche Elektrifizierung notwendig ist und die aktuelle Reichweite der Akkuzüge ausreicht. Der Abschnitt Halle (Saale) Hbf – Merseburg dient der Ladung der Batterien, um den Abschnitt Merseburg – Querfurt – Merseburg im Akkubetrieb zu befahren.

Voraussetzung sind verfügbare und bezahlbare Fahrzeuge. Wenn es so weit ist, profitieren die Fahrgäste von größeren, moderneren und leiseren Fahrzeugen, während die Eisenbahnverkehrsunternehmen und die NASA GmbH wertvolle Erfahrungen mit der Technik sammeln können.

Der Bau der Oberleitungsinseln ist Teil der Kooperationsvereinbarung Zukunft Schiene Sachsen-Anhalt mit der DB InfraGo. Dafür bilden die NASA GmbH, DB InfraGo und DB Energie eine Arbeitsgruppe, die passende Maßnahmen aus der Studie definiert.

Da die aktuellen Fahrzeuge im Dieselnetz erst seit sieben Jahren im Einsatz sind, ist es mittelfristig günstiger, sie noch nicht auf das Abstellgleis zu stellen, sondern im Dienst zu belassen und diese Phase für die schrittweise Umsetzung eines emissionsfreien SPNV zu nutzen. Die Ladeinfrastruktur muss zunächst installiert und batterieelektrische Fahrzeuge müssen beschafft werden.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de