25.06.26
Der Kölner SPNV-Aufgabenträger go.Rheinland hat seinen Qualitätsbericht für 2025 vorgelegt. Das jetzt erschienene hilft dabei, die Entwicklungen im Regional- und S-Bahn-Verkehr nachzuvollziehen, Hintergründe zu erkennen und Handlungsansätze für die Zukunft zu skizzieren.
„Als Aufgabenträger für den SPNV haben wir im letzten Jahr sehr unterschiedliche Entwicklungen festgestellt“, so go.Rheinland-Geschäftsführer Norbert Reinkober. „Während die Verspätungswerte auf einem Höchststand angekommen sind, haben die Zug- und Kapazitätsausfälle abgenommen. Auch der Zustand der Fahrzeuge hat sich teils sogar erheblich verbessert. Die komplexe Baustellensituation sorgt allerdings nach wie vor für große Probleme bei der Qualität. Dies wird uns in den kommenden Jahren, bedingt durch die anstehenden mehrmonatigen Sperrungen aufgrund der Korridorsanierungen, auch weiterhin beschäftigen.“
Nachdem sich die Pünktlichkeit im Jahr 2023 vorübergehend verbessert hatte, gibt es seitdem einen Anstieg der Verspätungswerte zu verzeichnen. Die im Jahr 2024 gemessenen bisherigen Höchstwerte bei den Verspätungen wurden 2025 noch einmal übertroffen und erreichten einen neuen Negativrekord: Die durchschnittliche Verspätung lag über alle drei Produktgruppen Regionalexpress, Regionalbahn und S-Bahn hinweg bei 3:40 Minuten. Im Vergleich zu 2024 hatten die Züge damit 22 Sekunden mehr Verspätung (plus elf Prozent).
Die höchsten Verspätungswerte wurden in den Monaten November und Dezember verzeichnet. Die Hauptgründe für die erneute Zunahme der Verspätungen sind die hohe Anzahl von immer komplexer werdenden Baustellen, die weiterhin überlasteten Schienenwege sowie die hohen Fahrgastzahlen.
Alle Produktgruppen haben sich gegenüber dem Vorjahr verschlechtert. Die besten Werte weisen weiterhin die S-Bahnen auf. Hier stieg die durchschnittliche Verspätung auf 2:48 Minuten (plus 14 Prozent). Bei den RB-Linien waren es im Jahr 2025 3:31 Minuten (plus 16 Prozent) und bei den RE-Linien 4:57 Minuten (plus vier Prozent).
Nach dem Rekordwert bei den Zugausfällen im Jahr 2024 gibt es 2025 einen leichten Rückgang zu verzeichnen. Allerdings befinden sich die Werte weiterhin auf einem hohen Niveau. Von 16,5 Prozent im Jahr 2024 sind sie auf 14,8 Prozent im Jahr 2025 gesunken (minus zehn Prozent).
Auffällig ist, dass der Anteil nicht vorhersehbarer Zugausfälle, von denen die Fahrgäste erst am Bahnsteig erfahren, deutlich gesunken ist. Durch das „Aktionsprogramm Personal für mehr Zuverlässigkeit im Betrieb“ der NRW-SPNV-Aufgabenträger konnte die große Problematik der personalbedingten Zugausfälle deutlich reduziert werden. Hier gab es einen Rückgang von 23 Prozent im Jahr 2024 auf drei Prozent im Jahr 2025.
Bei der Bereitstellung der vertraglich vereinbarten Kapazitäten ist die durchschnittliche Quote der Sitzplatzausfälle deutlich gesunken, und zwar von 3,23 Prozent im Jahr 2024 auf 2,01 Prozent im Jahr 2025. In allen Produktgruppen gibt es Verbesserungen: Bei den RE-Linien ist der Wert von 2,42 Prozent im Jahr 2024 auf 1,81 Prozent im Jahr 2025 gefallen (minus 25 Prozent). Der Wert bei den RB-Linien ist von 3,11 Prozent im Jahr 2024 auf 2,27 Prozent im Jahr 2025 zurückgegangen (minus 27 Prozent). Bei den S-Bahnen waren die Kapazitätsausfälle im Jahr 2024 aufgrund des Redesigns der Fahrzeuge der Baureihen ET 422 und ET 423 extrem angestiegen. Im Jahr 2025 sank der Ausfallwert nun sehr stark von 4,12 Prozent auf 1,93 Prozent (minus 53 Prozent).
Nach mehreren Jahren des anhaltenden Fahrgastwachstums ist 2025 eine Stagnation der Nachfrageentwicklung zu erkennen. Die Zahl der täglichen Einsteiger an Werktagen (montags bis freitags) ist 2025 nur leicht von 367.000 auf 372.000 angestiegen. Dies entspricht einem Anstieg um ein Prozent. Zum Vergleich: In der Zeit vor der Corona-Pandemie (2019) waren an Werktagen täglich knapp 450.000 Fahrgäste unterwegs.
Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren hat sich 2025 der bis dahin anhaltende Trend zu mehr Verkehr an den Wochenenden umgekehrt. An Samstagen und Sonntagen waren etwa fünf Prozent weniger Fahrgäste unterwegs als noch 2024.
Erstmals wurde im vorliegenden Bericht ausgewertet, an wie vielen Tagen Baustellen den Verkehr auf der Schiene in den letzten Jahren beeinträchtigt haben und wie lange die Baustellen durchschnittlich dauerten. 2025 gab es 137 Baustellen, die auf insgesamt 1.356 Baustellentage kamen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de