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Bundesweiter Zugfunk-Ausfall legt Bahnverkehr lahm

02.07.26

Aufgrund einer bundesweiten Störung im Zugfunk GSM-R kam es in der vergangenen Woche zu einem vollständigen Stillstand des deutschen Eisenbahnnetzes. DB InfraGo hat die Ursache analysiert und mehrere Gegenmaßnahmen getroffen, die eine Wiederholung des Fehlers ausschließen sollen. Die Allianz pro Schiene fordert eine schnellere Modernisierung der Zugfunktechnik. Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGo, erklärt: „Wir wissen jetzt, wie dieses historisch einmalige Fehlerbild entstanden ist und auch, wie wir es in Zukunft verhindern können.“ Ein Bericht dazu wird auch den Aufsichtsbehörden übermittelt.

Der digitale Zugfunk GSM-R gilt normalerweise als sehr zuverlässig und wird standardmäßig auch von anderen Eisenbahnen in Europa genutzt. Das Zugfunksystem ist aus Sicherheitsgründen redundant aufgebaut. Es gibt also eine Rückfallebene, auf die bei Störungen automatisch umgeschaltet werden kann. Am Abend des 23. Juni trat jedoch bei planmäßigen Instandhaltungsarbeiten – dem Tausch eines Switches, also einer Netzwerkverteilkomponente – ein singulärer Softwarefehler auf, der keine Fehlermeldung auslöste. Dadurch wurde die Redundanz des GSM-R-Systems nicht automatisch aktiviert, obwohl sie voll funktionsfähig war.

Nachdem die Mitarbeiter regelkonform einen Cyberangriff ausgeschlossen hatten, wurde nach rund anderthalb Stunden manuell auf die Rückfallebene umgeschaltet. Anschließend konnte der Verkehr wieder aufgenommen werden. Die DB hatte kurzfristig Taxi- und Hotelgutscheine an die Reisenden ausgegeben. „Wir bedauern den Vorfall und möchten unsere Kunden und Fahrgäste für die Unannehmlichkeiten erneut um Entschuldigung bitten“, so Philipp Nagl.

Vorerst werden keine weiteren Komponenten ausgetauscht. Der Hersteller wird aufgefordert, die betreffenden Komponenten fehlerfrei zu gestalten, bevor sie weiter verbaut werden. Instandhaltungsarbeiten finden künftig nur noch von 0 bis 4 Uhr nachts und ausschließlich in der inaktiven Redundanz statt.

Philipp Nagl erklärt: „Klar ist: Die Modernisierung unserer Infrastruktur ist der einzige Weg nach vorn. Wir sind hier auf dem richtigen Weg, auch dank des Sondervermögens und der Korridorsanierungen. Im Rahmen unserer Digitalisierungsstrategie erneuern wir das aktuelle GSM-R-Netz deshalb gerade noch einmal umfassend, unterziehen es einem Upgrade und machen es resilienter. Zudem stellen wir die Rückfallebene über den öffentlichen Mobilfunk neu auf. Diese beiden Maßnahmen haben wir bereits vor einiger Zeit bewusst beschlossen, um den Investitionsrückständen aus der Vergangenheit zu begegnen und um die Grundlage für den weiteren Rollout von ETCS zu legen.“

GSM-R wird mindestens in den kommenden zehn Jahren weiter zum Einsatz kommen. Eine Alternative gibt es derzeit noch nicht. Gleichzeitig bereitet sich die DB nach eigenen Angaben intensiv auf den neuen Zugfunkstandard FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) vor. Deutschland ist an der Entwicklung dieser 5G-Technologie beteiligt.

Im Rahmen der Korridorsanierung wurde die Strecke Hamburg – Berlin bereits mit Glasfaserleitungen und Masten ausgestattet, um sie perspektivisch als erste Hauptstrecke für einen Probebetrieb vorzubereiten. FRMCS ist jedoch auf europäischer Ebene noch nicht abschließend spezifiziert. Daher können entsprechende Komponenten bislang noch nicht bestellt und eingebaut werden.

Die Allianz pro Schiene fordert eine gemeinsame Initiative von Bund und Bahnbranche für ein moderneres Funksystem. „So etwas wie gestern Nacht darf nicht passieren. Es ist völlig unverständlich, wie der Tausch einer technischen Komponente das ganze Netz lahmlegen kann. Die Ursachen müssen nun akribisch ermittelt und eine Wiederholung muss ausgeschlossen werden. Die gestrige Nacht ist aber auch ein Weckruf, dass Deutschland die Modernisierung des Zugfunks verschlafen hat“, sagte Verbandsgeschäftsführer Dirk Flege.

Das in Deutschland eingesetzte GSM-R-System sei von seiner Modernität her mit dem 2G-Mobilfunkstandard vergleichbar, teilte die Allianz pro Schiene mit. Andere EU-Länder wie Finnland hätten GSM-R im Bahnverkehr bereits abgeschaltet und sich auf den Weg gemacht, das von der EU ab Ende des Jahrzehnts favorisierte modernere Zugfunksystem FRMCS einzuführen, das auf dem 5G-Mobilfunkstandard basiert.

„Die Deutsche Bahn kann diese Aufgabe nicht alleine bewältigen, da neben dem bundeseigenen Schienennetz auch das nichtbundeseigene Schienennetz umgerüstet werden muss sowie die Fahrzeuge aller Eisenbahnverkehrsunternehmen“, so Flege.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de