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SPFV: Gewerkschaften zum Wettbewerb

13.07.26

Zum angekündigten Italo-Einstieg in den deutschen Fernverkehr haben sich sowohl die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) als auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) geäußert. Die GDL sieht den Markteintritt grundsätzlich positiv, die EVG hingegen fordert mehr Regulierung und einen Schutz bestehender Verkehre sowohl im Regional- als auch im Fernverkehr.

Der EVG-Vorsitzende Martin Burkert hatte sich zuletzt im Tagesspiegel Background eigenen Angaben zufolge für mehr Wettbewerb auf der Schiene ausgesprochen – allerdings nur unter klaren Rahmenbedingungen: „Mir scheint es leider so, dass die Politik sich einfach phlegmatisch an den Rand stellt und sich von Versprechen über günstige Tickets und leckeren Espresso im Zug einlullen lässt. Insbesondere die Egal-Haltung von Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) lässt mich einigermaßen fassungslos zurück.“

Burkert, der selbst 15 Jahre für die SPD im Bundestag war und dort maßgeblich die Eisenbahnpolitik seiner Fraktion geprägt hat, warnt davor, dass private Anbieter vor allem lukrative Hauptachsen bedienen, während wichtige Fernverkehrsverbindungen in der Fläche unter Druck geraten. Sein Vorschlag: rentable und weniger rentable Strecken bei der Trassenvergabe bündeln.

Die EVG verweist darauf, dass auch aus den Reihen der Union erhebliche Kritik kommt. So zitiert sie Bayerns Landesverkehrsminister Christian Bernreiter (CSU): „Unserem ohnehin angespannten Bahnverkehr hilft kein Wildwest, sondern nur die richtigen Entscheidungen bei den Rahmenbedingungen. Neue Anbieter wollen in erster Linie finanziell lukrative Strecken bedienen und Direktverbindungen anbieten, vor allem zwischen den deutschen Millionenstädten. So eine Rosinenpickerei geht gar nicht!“

Die GDL zeigt sich überzeugt, dass Wettbewerb auf der Schiene unter den richtigen Rahmenbedingungen weitreichende positive Effekte auf Qualität, Kundenorientierung und Preisentwicklung im gesamten Fernverkehrssegment haben kann. In einem GDL-Aushang heißt es: „Die DB Fernverkehr hat diese Aspekte nicht nur in den letzten Jahren, sondern über Jahrzehnte hinweg durchgehend vernachlässigt. Andere Anbieter haben sich dabei nicht nur im Fern-, sondern auch im Nahverkehr bereits lange als eine echte Alternative etabliert. Es ist nur folgerichtig, dass die Bundesnetzagentur diesen Weg weiter beschreitet.“

Mario Reiss, Bundesvorsitzender der GDL, sieht die Sache deutlich positiver als die EVG: „Die alarmistische Haltung mancher Verbände, Gewerkschaften und der Deutschen Bahn selbst teilt die GDL nicht. Etwaige Befürchtungen, durch eine Vergabe lukrativer Strecken an Konkurrenten würde die Anbindung der Fläche gefährdet, lassen sich durch eine durchdachte Vergabepraxis von vornherein entkräften. Eine intelligente Vergabepraxis fördert die wirkliche Gleichbehandlung der Eisenbahnverkehrsunternehmen und sollte das Ziel verfolgen, am Ende sogar mehr Angebot im Fernverkehr auf die Schiene zu bringen.“

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de