17.07.26
Der Heilbronner-Hohenloher-Haller-Nahverkehr (HNV) hat in der vergangenen Woche darauf hingewiesen, dass der Verbund in eine erhebliche finanzielle Schieflage gerät, weil die laufenden Kosten ebenso steigen wie die Kluft zu den Einnahmen. Erhalt und Ausbau des ÖPNV-Angebots geraten dadurch zunehmend unter finanziellen Druck.
Seit Jahren steigen die Kosten im ÖPNV kontinuierlich – getrieben von höheren Ausgaben für Personal, Energie und Kraftstoffe sowie für Infrastruktur- und Fahrzeuginvestitionen. Zwischen 2018 und 2025 summierte sich die Kostensteigerung auf 46,38 Prozent. Die Mehrkosten für die Antriebswende und den barrierefreien Ausbau der Haltestellen sind darin noch nicht berücksichtigt.
Durch Pauschalpreisangebote wie das Deutschlandticket und das D-Ticket JugendBW kann der HNV die Tarife nur noch für rund 22 Prozent der Fahrgeldeinnahmen selbst festlegen. Die Ausgleichszahlungen von Bund und Land sind in ihrer Wirkung gedeckelt, sodass die Kostenentwicklung nicht vollständig über die Erlöse ausgeglichen wird. Da die Verantwortung für Kosten und Erlöse nicht in einer Hand liegt, bleibt den Aufgabenträgern häufig nur die Wahl zwischen zusätzlichen eigenen Mitteln oder Angebotskürzungen.
Landrat Ian Schölzel (Freie Wähler) aus dem Hohenlohekreis beschreibt die Situation wie folgt: „Der öffentliche Personennahverkehr steht vor erheblichen Herausforderungen. Eine langjährige Unterfinanzierung belastet das System und erschwert sowohl den Erhalt als auch die Weiterentwicklung des bestehenden Angebots. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an den ÖPNV im Zuge der Verkehrswende: Ein umfassender Ausbau des Angebots, der Einsatz klimafreundlicher Antriebstechnologien, kürzere Taktzeiten sowie eine höhere Attraktivität des Nahverkehrs sind zentrale Ziele. Die Kommunen, die diese Maßnahmen maßgeblich umsetzen sollen, sehen sich jedoch zunehmend mit finanziellen Engpässen konfrontiert, wodurch die notwendige Transformation zusätzlich erschwert wird.“
Nach den starken Einbrüchen während der Pandemie sind die Fahrgastzahlen im HNV wieder gestiegen, was für ein weiteres Engagement im Nahverkehr spricht. HNV-Geschäftsführer Martin Mäule betonte in diesem Zusammenhang: „Der ÖPNV ist kein Subventionsempfänger, sondern Mobilitätsangebot und ein zentraler Wirtschaftsfaktor.“
Martin Diepgen (CDU), Erster Bürgermeister der Stadt Heilbronn, merkte an: „Es ist nachvollziehbar, dass vergünstigte Tarifangebote wie das Deutschlandticket für viele Menschen den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen. Gleichzeitig dürfen wir nicht aus dem Blick verlieren, dass diese Rabatte die Verkehrsunternehmen vor erhebliche finanzielle Herausforderungen stellen. Denn ein attraktiver ÖPNV entsteht nicht allein durch günstige Tickets, sondern durch ein gutes Angebot mit dichteren Takten, modernen und klimatisierten Fahrzeugen, vielfältigen Linien und hoher Verlässlichkeit. Dafür braucht es eine auskömmliche und dauerhaft tragfähige Finanzierung.“
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de