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Pro Bahn fordert neue Baustrategie

17.07.26

Die Deutsche Bahn hat am 7. Juli mitgeteilt, dass die Strecke Nürnberg–Regensburg nach der Generalsanierung nicht wie geplant am 10. Juli, sondern erst am 31. Juli wieder in Betrieb gehen kann. Als Grund wird die noch ausstehende sicherheitstechnische Überprüfung der neuen Stellwerkstechnik genannt. Gleise, Weichen und Oberleitungen sind fertiggestellt – das Nadelöhr liegt allein bei der Abnahme der Leit- und Sicherungstechnik.

„Das wiederholt sich bei jeder Generalsanierung: Die Bauarbeiten laufen, aber am Ende blockiert die Abnahme der Stellwerkstechnik den Betrieb – schon die Riedbahn ging nur mit Abstrichen und ohne ETCS in Betrieb“, sagt Lukas Iffländer, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. „Die DB InfraGo muss endlich ein transparentes, für die Zivilgesellschaft nachvollziehbares Konzept vorlegen, wie sie dieses Problem strukturell lösen will – und sich dabei nicht allein auf die Hersteller verlassen. Die im Mai angekündigte zentrale Programmsteuerung für Stellwerksprojekte bleibt eine Blackbox, solange von außen nicht erkennbar ist, ob die Prüfkapazitäten tatsächlich zu den geplanten Inbetriebnahmen passen.“

Pro Bahn fordert daher, die Abnahmekapazitäten auf mehrere Säulen zu stellen. Eine Strategie, die ausschließlich auf herstellerseitige Prüfer setzt, ist nicht resilient – zumal Prüfsachverständige von Rechts wegen unabhängig sind und keine Anlagen prüfen dürfen, an deren Entwicklung, Planung oder Bauausführung sie beteiligt waren. Die Herstellersäule ist damit systembedingt begrenzt.

Nötig ist eine ausgewogene Balance aus drei Quellen: eigenen Prüfern der DB InfraGo, herstellerseitigen Kapazitäten und externen Planungsbüros. Nur dieser Mix macht die Abnahme unabhängig von einzelnen Engpässen und schafft die nötige Ausfallsicherheit.

Darüber hinaus schlägt Pro Bahn vor, die Zulassung und Ausbildung von Prüfsachverständigen über alle drei Säulen hinweg zu erleichtern. In bestimmten Bereichen der Bahntechnik ist es heute nahezu unmöglich, als Prüfsachverständiger zugelassen zu werden. Die Anerkennungsvoraussetzungen machen den Nachwuchs vollständig von der knappen Zeit der bestehenden Sachverständigen abhängig – als Ausbilder, Tutoren und Mitglieder der Prüfungskommissionen. Jede Ausbildungsstunde ist zugleich eine fehlende Prüfstunde – ein sich selbst verstärkender Engpass.

Zulassung und Ausbildung müssen bei DB InfraGo, Herstellern und externen Planungsbüros gleichermaßen ausgebaut werden. Dieser Engpass gefährdet sonst nicht nur einzelne Projekte, sondern das gesamte Programm der Generalsanierungen sowie die Digitalisierung der Leit- und Sicherungstechnik. Auch externe Prüfer müssen in die Lage versetzt werden, ihre Kompetenzen zielgerichtet aufzubauen, zu erhalten und nachzuweisen.

„Wenn das Thema Abnahmeprüfung nicht gelöst wird, sind nicht nur die Generalsanierungen und die Digitalisierung des Netzes massiv gefährdet“, so Lukas Iffländer abschließend.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de