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Stadler: Hybridlokomotiven für Kanada

06.08.26 (Übrige Welt)

Stadler hat seinen ersten Lokomotivauftrag in Kanada gewonnen. Das Schweizer Unternehmen liefert 45 Hybridlokomotiven an den kanadischen Personenverkehrsbetreiber VIA Rail. Neben der Fahrzeuglieferung umfasst der Vertrag auch eine auf 20 Jahre angelegte Vereinbarung über technische Unterstützung und die Versorgung mit Ersatzteilen. Mit dem Auftrag stärkt Stadler seine Präsenz auf dem nordamerikanischen Markt und unterstützt zugleich die Modernisierung des kanadischen Fernverkehrs.

Die neuen Lokomotiven werden speziell für die klimatischen Bedingungen in Kanada entwickelt und sollen auch bei Temperaturen bis minus 50 Grad Celsius zuverlässig eingesetzt werden können. Das Fahrzeugkonzept kombiniert einen diesel-elektrischen Antrieb mit einem batteriegestützten Traktionssystem. Ziel ist es, Kraftstoffverbrauch und Emissionen zu senken, ohne auf die Reichweite und Flexibilität klassischer Diesellokomotiven verzichten zu müssen. Die Batterien übernehmen neben der Traktion auch die Versorgung der Hilfsbetriebe und der Reisezugwagen mit Energie.

Die Lokomotiven erreichen eine Leistung von bis zu vier Megawatt am Rad, eine Anfahrzugkraft von 350 Kilonewton sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern. Nach Angaben von Stadler ermöglicht das Konzept eine hohe Beschleunigung und den Einsatz auf steigungsreichen Strecken ebenso wie im Fernverkehr über große Entfernungen.

Ein wesentlicher Bestandteil des Hybridkonzepts ist die Rückgewinnung von Bremsenergie. Diese wird in den Traktionsbatterien gespeichert und anschließend wieder genutzt. Dadurch sollen Kraftstoffverbrauch, Wartungsaufwand und Treibhausgasemissionen reduziert werden. In Bahnhöfen und anderen sensiblen Bereichen können die Lokomotiven zudem zeitweise ausschließlich mit Batteriestrom verkehren und so Lärm- und Abgasemissionen verringern. Gleichzeitig dient das Batteriesystem als zusätzliche Leistungsreserve und erhöht die Betriebssicherheit.

Nach Angaben des Herstellers werden die Fahrzeuge mit Blick auf eine möglichst nachhaltige Nutzung entwickelt. Mehr als 92 Prozent der verbauten Materialien sollen recycelbar sein, über 95 Prozent der Komponenten wiederverwertet werden können. Auch die Traktionsbatterien sind auf eine lange Lebensdauer sowie eine spätere Weiternutzung außerhalb des Bahnbetriebs ausgelegt.

Entwickelt und gebaut werden die Lokomotiven im spanischen Werk in Valencia, dem konzernweiten Kompetenzzentrum für Lokomotiven. Teile der Endmontage sowie Tests und Inbetriebnahme sollen jedoch in Kanada erfolgen. Darüber hinaus gründet Stadler eine kanadische Servicegesellschaft, die den 20-jährigen Wartungs- und Ersatzteilvertrag betreuen wird.

Mitarbeiter werden an den VIA-Rail-Standorten Montreal, Toronto, Winnipeg und Vancouver stationiert. Mit dem Auftrag baut Stadler seine Aktivitäten in Nordamerika weiter aus. Für VIA Rail stellen die Maschinen einen wichtigen Schritt zur Erneuerung der Fahrzeugflotte dar.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de