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Miltenberg bereitet E-Bus-Einsatz vor

14.08.26 (Bayern)

Der Landkreis Miltenberg bereitet sich auf die Vorgaben des Saubere-Fahrzeug-Beschaffungs-Gesetzes vor. Dieses setzt die europäische Clean Vehicles Directive in Deutschland um und verpflichtet öffentliche Auftraggeber, bei neuen Verkehrsverträgen Mindestquoten für emissionsarme und emissionsfreie Fahrzeuge vorzusehen. Für Verkehrsunternehmen bedeutet dies nicht nur die Beschaffung neuer Busse, sondern auch erhebliche Investitionen in Betriebshöfe und Ladeinfrastruktur.

Vertreter des Landkreises und der Aschaffenburg-Miltenberg-Nahverkehrsgesellschaft (AMINA) informierten sich deshalb beim Verkehrsunternehmen OMNY in Elsenfeld über die praktischen Anforderungen. Dort testet das Unternehmen derzeit einen batterieelektrischen Midibus des Typs Ikarus 80e. Das in Ungarn gebaute Fahrzeug verfügt über 18 Sitz- und 42 Stehplätze. Der Elektromotor leistet 200 Kilowatt, die Reichweite gibt der Hersteller mit bis zu 410 Kilometern an.

Für OMNY ist es bereits der dritte getestete Elektrobus. An anderen Standorten setzt das Unternehmen Fahrzeuge von MAN und Iveco ein. Ziel ist es, Erfahrungen mit unterschiedlichen Fahrzeugtypen zu sammeln und diese in künftige Ausschreibungen einfließen zu lassen. Im Landkreis Miltenberg betrifft dies unter anderem die Linienbündel Elsavatal und Regiobus Miltenberg, deren neuer Verkehrsvertrag Anfang 2031 beginnen soll.

Nach Angaben von OMNY liegt die größte Herausforderung inzwischen weniger bei den Fahrzeugpreisen als bei der notwendigen Infrastruktur. Elektrobusse seien zwar noch rund 50 bis 60 Prozent teurer als vergleichbare Dieselbusse, verursachten jedoch geringere Wartungs- und Instandhaltungskosten. Hinzu kommen mögliche Einnahmen aus der Vermarktung der Treibhausgasminderungsquote.

Aufwendiger ist dagegen die Umrüstung der Betriebshöfe. Für größere Elektrobusflotten sind leistungsfähige Stromanschlüsse, neue Leitungen und Ladeeinrichtungen erforderlich. Der derzeit in Elsenfeld eingesetzte Testbus wird noch an einer öffentlichen Schnellladesäule geladen. Am Betriebshof wurden nach Unternehmensangaben allerdings bereits Voraussetzungen geschaffen, um kurzfristig eigene Ladeinfrastruktur installieren zu können.

Die gesetzlichen Vorgaben werden künftig auch die Ausschreibungen des Landkreises prägen. Im Mittel müssen mindestens 65 Prozent der neu beschafften Linienbusse als sauber gelten. Mindestens die Hälfte dieser Quote muss mit vollständig emissionsfreien Fahrzeugen erfüllt werden, beispielsweise mit Batterie- oder Wasserstoffbussen. Die übrigen Fahrzeuge können unter bestimmten Voraussetzungen mit alternativen Kraftstoffen betrieben werden.

OMNY setzt bereits Busse ein, die mit HVO-Diesel aus erneuerbaren Ausgangsstoffen betrieben werden können. Wasserstoff betrachtet das Unternehmen grundsätzlich als mögliche Alternative, sieht derzeit jedoch hohe Kosten und erhebliche logistische Herausforderungen bei der Betankung.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de