18.08.26
Die Deutsche Bahn verschärft nach Übergriffen auf Beschäftigte ihre Sicherheitsmaßnahmen im Regionalverkehr. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte DB Regio insgesamt 989 Übergriffe auf Mitarbeiter. Davon entfielen 781 Fälle auf einfache Körperverletzungen wie Schubsen, Greifen oder Bespucken, weitere 185 Fälle auf versuchte Körperverletzungen. In 22 Fällen wurden Beschäftigte Opfer schwerer Körperverletzungen.
Zu Beginn des Jahres war der Zugbegleiter Serkan Çalar nach einem Angriff während einer Fahrkartenkontrolle gestorben. Bei einem gemeinsamen Termin mit Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) stellte DB-Regio-Chef Harmen van Zijderveld die aktuellen Zahlen und weitere Schutzmaßnahmen vor.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau des Bodycam-Einsatzes. Neu ist, dass künftig zusätzlich zur Videoaufnahme auch Ton aufgezeichnet werden soll. Diese Funktion wird ab spätestens 1. Oktober zunächst für zwei Monate in der Region Rhein-Neckar-Pfalz getestet. Anschließend ist eine schrittweise bundesweite Einführung vorgesehen.
Nach Angaben der Bahn ist der zuständige Datenschutzbeauftragte in den Einführungsprozess eingebunden. Die Tonaufnahme soll einerseits zur Deeskalation beitragen und andererseits die spätere Strafverfolgung erleichtern. Zugleich soll der sogenannte Prio-Ruf, mit dem Mitarbeiter über ein Alarmsystem am Handgelenk Unterstützung anfordern können, stärker mit den Bodycams verknüpft werden.
Darüber hinaus erprobt DB Regio verschiedene Modelle mit zusätzlicher Personalpräsenz. Dazu gehören Begleitungen von Kundenbetreuern durch Mitarbeiter mit Sicherheitskenntnissen sowie Doppelbesetzungen im Kundenservice. Außerdem setzt das Unternehmen Prüfgruppen ein, bei denen sechs bis acht Kundenbetreuer gemeinsam einen Zug kontrollieren. Damit sollen insbesondere konfliktträchtige Fahrscheinkontrollen abgesichert werden.
Auch die persönliche Schutzausrüstung wird erweitert. Kundenbetreuer sollen stichfeste Westen erhalten, für die Mobile Unterstützungsgruppe sind zusätzliche Helme vorgesehen. Darüber hinaus prüft DB Regio, ob künstliche Intelligenz künftig bei der Erkennung kritischer Situationen eingesetzt werden kann.
Gemeinsam mit der Bundesregierung wurde zudem eine bundesweite Respekt-Kampagne gestartet. Bundesverkehrsminister Bilger bezeichnete die Entwicklung als gesamtgesellschaftliche Herausforderung und betonte, dass Sicherheit eine Grundvoraussetzung für einen funktionierenden öffentlichen Verkehr sei. Die Beschäftigten müssten für ihre Aufgaben bestmöglich geschützt und ausgerüstet werden.
DB Regio sieht die Maßnahmen als Reaktion auf eine zunehmende Zahl gewaltsamer Vorfälle. Ziel ist es, Beschäftigte bei Kontrollen und in Konfliktsituationen besser zu schützen, schneller Unterstützung zu organisieren und die Aufklärung von Straftaten zu erleichtern. Die Bahn will dabei technische Lösungen, zusätzliche Personalpräsenz und eine erweiterte Schutzausrüstung miteinander verbinden.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de