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ÖBB Postbus testet autonomen E-Bus

21.08.26

ÖBB Postbus startet gemeinsam mit dem türkischen Fahrzeughersteller Otokar einen Pilotbetrieb mit einem vollautomatisierten Elektrobus. Das Fahrzeug des Typs Autonomous e-CENTRO C verfügt über Technik nach SAE Level 4. Damit kann der Bus die Fahraufgabe innerhalb eines klar definierten Einsatzbereichs grundsätzlich selbstständig übernehmen. Nach österreichischer Rechtslage muss während des Pilotbetriebs dennoch eine geschulte Sicherheitsperson an Bord sein.

Erstmals eingesetzt wird der Bus beim European Forum Alpbach. Dort soll er auf einer festgelegten Strecke unter realen Bedingungen erprobt werden. Anschließend ist ein Einsatz am Campus Wolfurt vorgesehen. Dort soll das Fahrzeug Unternehmen im Industriepark mit der S-Bahn verbinden. Die ÖBB wollen damit Erfahrungen sammeln, wie sich hochautomatisierte Fahrzeuge in bestehende Angebote des öffentlichen Verkehrs integrieren lassen.

Der eingesetzte E-Bus bietet Platz für bis zu 32 Fahrgäste und verfügt über einen barrierefreien Niederflureinstieg mit Rollstuhlrampe. Die Automatisierungstechnik stammt von Otokar. Der Hersteller hat den Fahrzeugtyp bereits in Madrid im regulären Betrieb eingesetzt und bringt damit Erfahrungen aus einem realen Linienbetrieb in das österreichische Projekt ein.

Für die ÖBB steht zunächst nicht der flächendeckende Einsatz autonomer Busse im Mittelpunkt. Vielmehr sollen technische, betriebliche und organisatorische Erfahrungen aufgebaut werden. Untersucht werden soll insbesondere, auf welchen Strecken vollautomatisierte Fahrzeuge den klassischen Linienverkehr ergänzen können. Als mögliche Einsatzfelder gelten klar definierte regionale Verbindungen sowie Angebote auf der ersten und letzten Meile.

Österreichs Mobilitätsminister Peter Hanke (SPÖ) sieht in automatisierten Bussen vor allem Potenzial für Bereiche, in denen ein konventioneller Linienbetrieb nur schwer wirtschaftlich darstellbar ist. Dazu zählen ländliche Regionen, schwächer nachgefragte Tageszeiten und Zubringerverkehre. Gleichzeitig sollen die Pilotprojekte dazu beitragen, technisches Wissen im Land aufzubauen und Erfahrungen mit den rechtlichen und betrieblichen Rahmenbedingungen zu sammeln.

Auch für ÖBB-Chef Andreas Matthä ist autonomes Fahren eine Technologie, deren Einsatzmöglichkeiten im öffentlichen Verkehr nun praktisch erprobt werden sollen. Nach der Testphase in Alpbach folgt deshalb mit Wolfurt ein Einsatz, der bereits näher an einem alltäglichen Mobilitätsangebot liegt. Der Bus soll dort nicht nur demonstrieren, dass automatisiertes Fahren technisch möglich ist, sondern auch zeigen, wie zuverlässig sich die Technik in einen konkreten Verkehrszweck einfügt.

Mit dem Projekt beginnt für ÖBB Postbus damit eine weitere Erprobungsphase automatisierter Mobilität. Ob und in welchem Umfang solche Fahrzeuge später an weiteren Standorten eingesetzt werden, hängt von den Erfahrungen aus den Piloten sowie von rechtlichen, technischen und betrieblichen Voraussetzungen ab.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de