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BVG AöR stabilisiert Betrieb

24.08.26

Die Berliner Verkehrsbetriebe AöR (BVG AöR) sehen sich nach dem ersten Halbjahr 2026 auf ihrem Stabilisierungskurs vorangekommen. Bei einem Sommerupdate in der vergangenen Woche stellte Vorstandsvorsitzender Henrik Falk aktuelle Kennzahlen zu Zuverlässigkeit, Fahrzeugen, Personal, Infrastruktur und Sicherheit vor. Nach den Jahren mit Fahrzeug- und Personalengpässen liegt der Schwerpunkt weiterhin auf einem stabilen Betrieb, bevor das Angebot wieder stärker ausgeweitet wird.

Besonders deutlich verbessert hat sich nach Angaben der BVG AöR die Zuverlässigkeit der U-Bahn. Sie stieg von 94,3 Prozent im Gesamtjahr 2025 auf 98,5 Prozent im ersten Halbjahr 2026. Bei der Straßenbahn wurden 99,3 Prozent erreicht, nach 98,6 Prozent im Vorjahr. Die Busse kamen auf 99,6 Prozent und lagen damit ebenfalls leicht über dem Wert von 2025. Die Kennzahlen sind um äußere Einflüsse wie Streiks, Baustellen oder Polizeieinsätze bereinigt und bilden damit nach Darstellung des Unternehmens die eigene betriebliche Leistung ab.

Ein wesentlicher Faktor ist die laufende Erneuerung der Fahrzeugflotte. Rund 240 neue U-Bahn-Wagen der Baureihen J und JK sind inzwischen im Einsatz. Weitere 166 Fahrzeuge mit dem Zugsteuerungssystem CBTC sind bereits bestellt. Hinzu kommen 70 neue Elektro-Gelenkbusse sowie bislang fünf Straßenbahnen des Typs Urbanliner. Die neuen Fahrzeuge sollen ältere Baureihen schrittweise ersetzen und zugleich die technische Verfügbarkeit erhöhen.

Auch beim Personal meldet die BVG AöR Fortschritte. Im ersten Halbjahr wurden rund 760 Mitarbeiter eingestellt, fast 90 Prozent davon für operative Bereiche. Die stabilere Personalsituation ermöglicht zum Ende der Sommerferien erstmals seit Ende 2023 wieder Angebotsverbesserungen im Busverkehr. Das Metrobusnetz soll um fast fünf Kilometer wachsen, auf einzelnen Linien sind dichtere Takte und zusätzliche Erschließungen vorgesehen.

Parallel arbeitet die BVG AöR an mehreren Infrastrukturprojekten. Im Juli begann die Erneuerung des Waisentunnels, der die U5 mit dem übrigen Großprofilnetz verbindet. Für die geplante Verlängerung der U8 ins Märkische Viertel hat der Berliner Senat den Auftrag für die nächste Planungsphase erteilt. In Adlershof entsteht der erste neue Straßenbahnbetriebshof seit 40 Jahren; derzeit läuft die Ausschreibung für den Generalunternehmer. Für die Neubaustrecke in Mahlsdorf wurde Ende Mai eine Einigung über die Trassenführung erzielt. Vorgesehen ist ein zweigleisiger Ausbau über die Hönower Straße.

Mit der wachsenden Elektrobusflotte entsteht zugleich neue Lade- und Betriebshofinfrastruktur. Die Projekte für neue E-Busbetriebshöfe in Treptow und an der Säntisstraße liegen nach Angaben des Unternehmens im Zeitplan. An der Endhaltestelle S Marzahn begann Ende Juni der Testbetrieb einer Schnellladeanlage. Weitere 19 Standorte sollen folgen.

Neben dem Betrieb und der Infrastruktur spielt die Sicherheitslage eine größere Rolle. Im ersten Halbjahr 2026 sank die Zahl der registrierten Straftaten im Netz der BVG AöR gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 16 Prozent. Die Zahl der Taschendiebstähle ging um 31 Prozent zurück, auch Gewalt-, Körperverletzungs- und Sexualdelikte waren rückläufig. Gleichzeitig wird die Videodetektion ausgeweitet. Derzeit sind 87 entsprechende Kameras an 16 U-Bahnhöfen im Einsatz. Sie sollen auffällige Situationen in Gleis- und Tunnelbereichen frühzeitig erkennen.

Ergänzt wird dies durch neue Service- und Sicherheitsangebote. Am U-Bahnhof Kottbusser Tor testet die BVG AöR einen WhatsApp-Kanal, über den Fahrgäste Verschmutzungen, Schäden und andere Auffälligkeiten melden können. An fünf U-Bahnhöfen läuft zudem das Pilotprojekt „Pink*Zone“, bei dem auffällige Markierungen auf Notruf- und Informationssäulen hinweisen. Nach einer ersten Befragung bewerten neun von zehn Teilnehmern die bessere Sichtbarkeit positiv.

Zudem verweist das Unternehmen auf ein im Juni vorgestelltes VDV-Gutachten, das Berlin im bundesweiten Vergleich ein besonders dichtes und leistungsfähiges ÖPNV-Netz bescheinigt.

Die Halbjahreszahlen zeigen damit eine Entwicklung, bei der die BVG AöR zunächst auf Stabilisierung und Erneuerung setzt. Gleichzeitig werden wieder erste Angebotsausweitungen möglich. Fahrzeugbeschaffung, Personalaufbau und Infrastrukturprojekte laufen parallel, während die Sicherheitsmaßnahmen ausgebaut werden. Nach der Phase, in der vor allem Zuverlässigkeit und verfügbare Fahrzeuge im Mittelpunkt standen, rücken damit zunehmend auch Wachstum und Netzentwicklung wieder in den Blick.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de