Im Rems-Murr-Kreis soll der Einsatz von Wasserstoffbussen im Linienverkehr ausgeweitet werden. Die ersten sechs Fahrzeuge befinden sich seit Ende Mai 2026 im Probebetrieb. Landkreis und Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) ziehen bislang eine positive Bilanz. Die Busse seien inzwischen werktags nahezu täglich unterwegs und hätten auch komplette Umläufe bei hohen Temperaturen störungsfrei absolviert. Der Übergang in den regulären Betrieb ist ab Oktober vorgesehen.
Insgesamt plant der Landkreis drei Wasserstoff-Linienbündel in Fellbach/Kernen, Waiblingen sowie Weinstadt/Korb. Ab Januar 2027 soll der reguläre Linienverkehr in Weinstadt/Korb vollständig emissionsfrei erbracht werden, ab August 2027 auch in Fellbach/Kernen. In Waiblingen soll ein großer Teil des Angebots entsprechend umgestellt werden. Gegen Ende dieses Jahres werden sieben weitere Wasserstoff-Gelenkbusse erwartet. Ihr Einsatz ist ab Januar 2027 vorgesehen.
Parallel wird die Infrastruktur in Waiblingen ausgebaut. Für den Elektrolyseur, mit dem künftig grüner Wasserstoff vor Ort erzeugt werden soll, liegt inzwischen die Genehmigung vor. Noch fehlt ein notwendiger Transformator, dessen Lieferung bis Jahresende erwartet wird. Ab Anfang 2027 soll die Anlage voraussichtlich selbst Wasserstoff produzieren.
Landkreis und Stadt Waiblingen investieren gemeinsam 11,7 Millionen Euro in das Projekt und tragen die Kosten jeweils zur Hälfte. Hinzu kommen fünf Millionen Euro Bundesförderung für HyWaiblingen. Hinter dem Projekt stehen die Stadtwerke Waiblingen, die ITEM UG und GP JOULE. HyWaiblingen ist Teil des Verbundprojekts H2Rivers.
Landrat Richard Sigel (parteilos) sieht in dem Projekt einen Baustein für klimafreundlichere Mobilität und eine regionale Energieinfrastruktur. Ziel sei es, Dieselbusse zu ersetzen und damit Lärm und lokale Abgase im Linienverkehr zu reduzieren.
Der Landkreis begründet den Einsatz von Wasserstoff auch mit den örtlichen Bedingungen. Der Ausbau der Stromnetze und die Elektrifizierung von Betriebshöfen komme insbesondere im ländlichen Raum nicht überall schnell genug voran. Zudem hätten Erfahrungen im Schwäbischen Wald gezeigt, dass batterieelektrische Busse auf anspruchsvollen Linien und bei niedrigen Temperaturen betrieblich an Grenzen stoßen können.
Der VVS verweist darauf, dass die europäischen Vorgaben schrittweise mehr emissionsfreie Busse verlangen. Welche Antriebstechnik eingesetzt werde, müsse sich an den jeweiligen Einsatzbedingungen orientieren. Mit den drei Wasserstoff-Linienbündeln will der Rems-Murr-Kreis die Vorgaben der Clean Vehicles Directive übererfüllen. Dadurch sollen andere Linienbündel weiterhin ohne vollständig emissionsfreie Fahrzeuge ausgeschrieben werden können.
Entscheidend für den weiteren Ausbau bleibt neben den Fahrzeugen die Versorgung. Die geplante Wasserstoffproduktion und Tankstelle in Waiblingen soll deshalb dauerhaft die Grundlage für den Betrieb der Flotte schaffen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de