Jobportal für die Bahnbranche & ÖPNV

Bonn: B-Wagen kehren schrittweise zurück

Die Stadtwerke Bonn (SWB) und die Elektrischen Bahnen der Stadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises (SSB) haben mit der schrittweisen Wiederinbetriebnahme ihrer B-Wagen begonnen. Am vergangenen Freitag wurde das erste Fahrzeug einer Serie nach Prüfung durch die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) wieder für den Fahrgastbetrieb freigegeben. Weitere Fahrzeuge sollen nun nach demselben Verfahren kontrolliert und anschließend nach und nach zurückkehren.

Die Freigabe betrifft zunächst die fünfte B-Wagen-Serie. Zum Start sollen täglich zwei Fahrzeuge überprüft und wieder zugelassen werden. Das Verfahren ist aufwendig: Ultraschalluntersuchung und Inspektion nehmen pro Fahrzeug bis zu zwölf Stunden in Anspruch. Für die beiden anderen Baureihen stehen die Bescheide der Aufsichtsbehörde noch aus.

Hintergrund sind Auffälligkeiten an den Wellen der Radsätze. Diese können nach Angaben der Unternehmen die Entstehung von Rissen begünstigen. Tatsächliche Risse oder andere Defekte seien bislang jedoch nicht festgestellt worden. Deshalb wurde gemeinsam mit der TAB ein Prüf- und Überwachungskonzept entwickelt, das regelmäßige Ultraschallkontrollen vorsieht. Die Werkstattmitarbeiter werden dafür entsprechend weitergebildet. Vorgesehen ist, die Wellen der Radsätze zunächst in Abständen von wenigen Wochen erneut per Ultraschall zu untersuchen. Damit sollen mögliche Veränderungen frühzeitig erkannt werden, bevor sie zu einem sicherheitsrelevanten Problem führen können.

„Die Freigabe ist für uns ein wichtiger Meilenstein“, erklärt SWB-Geschäftsführerin Anja Wenmakers. Sicherheit und Sorgfalt hätten weiterhin Vorrang. Zunächst bleibe es bei zwei Fahrzeugen pro Tag; erst nach den Erfahrungen aus den ersten Prüfungen werde entschieden, ob das Tempo erhöht werden könne. Kurzfristig setzen SWB und SSB damit auf engmaschige Kontrollen. Langfristig sollen die alten Bauteile durch Komponenten zertifizierter Hersteller ersetzt werden. Die Technische Aufsichtsbehörde begleitet auch diesen Prozess.

Für den Betrieb bedeutet die Wiederzulassung zunächst nur eine schrittweise Entlastung. Bis zum Ende der Ferien verkehren ausschließlich Bonner K5000-Fahrzeuge sowie die nach und nach freigegebenen B-Wagen auf der Linie 66. Der bestehende Bahnersatzverkehr auf der Linie 16 wird bis zum 1. September bis Bad Godesberg verlängert.

Mit dem Ende der Ferien laufen zugleich die Bauarbeiten auf den Linien 16 und 18 aus, sodass die Stadtbahnen wieder durchgehend bis Köln fahren können. Für die Linie 18 haben SWB Bus und Bahn und die Kölner Verkehrs-Betriebe eine betriebliche Vereinbarung getroffen: SWB stellt Fahrzeuge für die gemeinsam betriebene Linie bereit und erhält im Gegenzug zusätzliche Fahrzeuge. Damit soll der Start in den regulären Berufsverkehr nach den Ferien abgefedert werden.

Auf der Linie 66 sollen zwischen Siegburg und Bonn Hauptbahnhof wieder Zwei-Wagen-Züge im üblichen Takt verkehren. Zwischen Hauptbahnhof und Ramersdorf sowie weiter in Richtung Königswinter und Bad Honnef bleibt zunächst Ersatzverkehr mit Bussen bestehen. Sobald genügend geprüfte B-Wagen wieder zur Verfügung stehen, soll dieser Abschnitt schrittweise wieder auf Schienenverkehr umgestellt werden.

Damit ist der Weg zurück zu einem stabileren Fahrplan zwar eröffnet, die vollständige Normalisierung hängt aber unmittelbar vom Tempo der Prüfungen und den noch ausstehenden Freigaben ab. SWB und SSB können derzeit deshalb keinen festen Termin nennen, ab wann wieder das komplette reguläre Angebot gefahren wird. Der Vorsitzende des Stadtwerke-Aufsichtsrates, David Lutz, kündigt zugleich an, die Informations- und Entscheidungsabläufe rund um die Außerbetriebnahme weiter aufzuarbeiten. Parallel wollen die Unternehmen regelmäßig über den Stand der Fahrzeugprüfungen und die daraus folgenden Fahrplanverbesserungen informieren.

Für die Fahrgäste ist vor allem die Kennedybrücke ein Engpass. Die Linie 66 ist dort nach Angaben der SWB auch während der Ferien stark ausgelastet, insbesondere in Richtung Siegburg. Die ersten zurückkehrenden Fahrzeuge sollen deshalb vorrangig eingesetzt werden, um dort zusätzliche Kapazität zu schaffen. Die Wiederinbetriebnahme der B-Wagen ist damit zugleich technisches und betriebliches Übergangsprojekt. Erst wenn die Prüfverfahren stabil laufen, weitere Serien die Freigabe erhalten und genügend Fahrzeuge zur Verfügung stehen, kann der Busersatzverkehr weiter zurückgenommen werden.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de