Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) lässt 72 Dieseltriebzüge der Typen LINT 41 und LINT 54 umfassend modernisieren. Das europaweite Vergabeverfahren ist abgeschlossen. Den Auftrag mit einem Volumen von rund 65 Millionen Euro erhält die Verkehrs Industrie Systeme GmbH (VIS) aus Sachsen-Anhalt. Das Unternehmen setzte sich nach Angaben der LNVG gegen vier weitere Bewerber durch.
Die Arbeiten sollen im August 2027 beginnen und bis 2032 schrittweise abgeschlossen werden. Die Fahrzeuge befinden sich dann etwa in der Mitte ihrer vorgesehenen Einsatzzeit von mindestens 30 Jahren. Insgesamt gehören 427 Lokomotiven, Wagen und Triebzüge zum Fahrzeugpool der LNVG. „Eine Investition in die Modernisierung unserer Fahrzeuge ist gleichzeitig eine Investition in den Komfort für die Fahrgäste“, erklärt LNVG-Geschäftsführerin Carmen Schwabl.
Die Fahrzeuge werden im Rahmen von Verkehrsverträgen an Eisenbahnverkehrsunternehmen vermietet und bleiben unabhängig vom jeweiligen Betreiber im Eigentum der Landesgesellschaft. Im Zuge der sogenannten Hauptuntersuchung XL werden die LINT-Triebzüge innen und außen überarbeitet. Sämtliche Sitzpolster und Bezüge werden erneuert. Fußböden, Seitenwandverkleidungen und Toilettenanlagen sollen aufgearbeitet werden. Fahrzeuge, die bislang noch nicht entsprechend ausgestattet sind, erhalten außerdem eine energieeffiziente LED-Innenbeleuchtung.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Fahrgastinformation. Im Innenraum werden neue Monitore eingebaut, die künftig in Echtzeit über Fahrtverlauf, Anschlüsse zu Zügen und Bussen sowie Fahrplanänderungen, Baustellen und andere Abweichungen informieren sollen. Auch die Anzeigen an den Außenseiten der Fahrzeuge werden erweitert. Sie sollen den Fahrgästen bereits vor dem Einstieg eine bessere Orientierung ermöglichen. Zusätzlich ist vorgesehen, dort Informationen über die Auslastung einzelner Fahrzeugbereiche anzuzeigen. Reisende sollen dadurch leichter erkennen können, in welchem Teil des Zuges noch freie Plätze vorhanden sind.
Alle 72 Triebzüge erhalten außerdem eine neue Außenlackierung. Die Fahrzeuge bleiben dabei im blau-gelb-weißen Erscheinungsbild der LNVG.
Für die Landesgesellschaft ist es bereits das vierte größere Modernisierungsprogramm dieser Art. Seit Ende 2019 läuft die Hauptuntersuchung XL für 257 Doppelstockfahrzeuge, darunter jeweils 37 Lokomotiven und Steuerwagen. Sie werden unter anderem im Hanse-Netz auf den Linien RE 2, RE 3/RB 31 und RE 4/RB 41 sowie auf dem RE 5 zwischen Cuxhaven und Hamburg eingesetzt. Das Programm mit einem Volumen von fast 120 Millionen Euro soll noch 2026 abgeschlossen werden.
Bereits zwischen 2014 und 2021 hatte die LNVG 50 weitere LINT-Triebzüge umfassend modernisieren lassen. Mit der nun vergebenen nächsten Serie setzt die Gesellschaft ihre Strategie fort, Fahrzeuge nach etwa der Hälfte ihrer Lebensdauer grundlegend zu erneuern.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de