Ein Jahr nach dem Start der Ordnungspartnerschaft für den Frankfurter Hauptbahnhof und weitere wichtige ÖPNV-Knoten ziehen die beteiligten Stellen eine positive Zwischenbilanz. Deutsche Bahn, Stadt Frankfurt, Landes- und Bundespolizei sowie die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) hatten ihre Zusammenarbeit am 1. September 2025 mit einer Kooperationsvereinbarung neu geordnet. Ziel ist es, Sicherheit und Aufenthaltsqualität am Hauptbahnhof, im Bahnhofsumfeld sowie an Hauptwache, Konstablerwache und Frankfurt-Höchst dauerhaft zu verbessern.
Im Mittelpunkt steht eine engere Abstimmung zwischen Behörden und Unternehmen. Gemeinsame Streifen sollen Präsenz zeigen und zugleich dafür sorgen, dass Erkenntnisse schneller ausgetauscht werden. Dadurch können Maßnahmen aus unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen besser miteinander verzahnt werden. Nach Angaben der Partner ist insbesondere die Eigentumskriminalität zurückgegangen. Genannt werden Taschen- und Trickdiebstähle, Fahrraddiebstähle sowie Delikte rund um Kraftfahrzeuge.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Durchsetzung bestehender Regeln im öffentlichen Raum. Polizei und Stadtpolizei gehen unter anderem gegen unerlaubtes Lagern, wildes Urinieren und den Konsum von Betäubungsmitteln vor. Hinzu kommen Maßnahmen gegen Verschmutzungen in den unterirdischen Anlagen. Ab dem 15. Oktober soll zudem an allen Stationen der Deutschen Bahn ein Alkoholverbot gelten.
Besonders im Bereich der Abgänge vom Bahnhofsviertel zur B-Ebene des Hauptbahnhofs waren Dealer- und Konsumentenszene ein Problem. An den Zugängen Kaisertor und Münchener Straße wurden deshalb Kontrollen und Streifen verstärkt. Nach Angaben der Polizei ging die Zahl der Beschwerden dort anschließend zurück. Auch im Bereich Elbe- und Kaiserstraße meldet die Stadtpolizei Verbesserungen. Bettelei und Lagern seien aufgrund der höheren Streifenfrequenz rückläufig. Zusätzliche Kiosk-Kontrollen richten sich unter anderem gegen den Verkauf illegaler Nikotinprodukte und von Getränken ohne Pfandsiegel.
Parallel wird die bauliche Situation im Hauptbahnhof verändert. Ende Juni wurde ein erster Teil der modernisierten B-Ebene eröffnet. Heller gestaltete Bereiche und zusätzliche Geschäfte sollen die Aufenthaltsqualität erhöhen. Zugleich hat die Deutsche Bahn ihre Sicherheitspräsenz verstärkt. Am Frankfurter Hauptbahnhof kommen zusätzliche Doppelstreifen und eine mobile Unterstützungsgruppe zum Einsatz.
Auch die technische Überwachung wurde ausgebaut. Mehr als 260 hochauflösende Kameras sind bereits installiert, weitere sollen im Rahmen des Masterplans für den Hauptbahnhof folgen. Die Polizei hat zugleich ihre Videoüberwachung im Bahnhofsgebiet erweitert. In den Videoschutzzonen am Hauptbahnhof sowie an Haupt- und Konstablerwache wird auf Grundlage des hessischen Polizeirechts auch KI-gestützte Videoanalyse eingesetzt.
Die VGF baut darüber hinaus ihren eigenen Ordnungsdienst aus und verstärkt die Präsenz in ihren Stationen. Damit ergänzt sie die gemeinsamen Streifen mit Polizei und weiteren Ordnungspartnern. Der Ansatz geht damit über einzelne Kontrollaktionen hinaus. Personal, Technik, bauliche Veränderungen und klarere Zuständigkeiten sollen zusammenwirken.
Zur Strategie gehört auch die Kommunikation mit Reisenden und Bürgern. Im Mai fand im Hauptbahnhof erstmals eine Informationsveranstaltung unter dem Titel „Sicher FFM Infomeile“ statt. Am Haupteingang wurde zudem ein Dialogforum für Veranstaltungen zu Sicherheit und Prävention eröffnet. Eine weitere Infomeile ist für den 10. November an der Hauptwache vorgesehen.
Die Ordnungspartnerschaft ist zunächst auf drei Jahre angelegt und verlängert sich anschließend auf unbestimmte Zeit. Schon jetzt prüfen die Beteiligten, ob das Modell auf weitere Orte ausgeweitet werden kann. Im Gespräch ist unter anderem der Bahnhof Frankfurt-Stadion, bei dem insbesondere die sichere Abwicklung großer Veranstaltungen eine Rolle spielt.
Die Zwischenbilanz zeigt, dass Sicherheit an großen Verkehrsknoten nicht mit einer einzelnen Maßnahme hergestellt werden kann. Polizeipräsenz, kommunaler Ordnungsdienst, Sicherheitskräfte der Verkehrsunternehmen, Videoüberwachung und bauliche Gestaltung greifen ineinander. Der Frankfurter Ansatz setzt deshalb auf eine dauerhafte Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure. Das auf drei Jahre angelegte Projekt verlängert sich automatisch.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de