Der öffentliche Nahverkehr in Deutschland wird wieder stärker genutzt und von den Fahrgästen etwas besser bewertet. Das zeigt das aktuelle VDV-Kundenbarometer. Die Globalzufriedenheit verbessert sich 2026 auf die Note 2,90 nach 2,95 bei der letzten Erhebung 2024. Gleichzeitig erreicht der Anteil der Menschen, die Busse und Bahnen mindestens einmal im Monat nutzen, mit rund 50 Prozent einen Höchststand. Auch die Zahl der Menschen, die den ÖPNV praktisch gar nicht nutzen, ist zurückgegangen.
Der Anteil der Nichtnutzer, die seltener als einmal im Jahr mit Bus oder Bahn fahren, sank von 32 auf 28 Prozent. Nach Einschätzung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat dazu auch das Deutschlandticket beigetragen. Sein Anteil unter den genutzten Ticketangeboten ist seit 2024 um fast fünf Prozentpunkte gestiegen.
Positiv entwickeln sich nach Angaben des VDV digitale Angebote wie Handyticket und Chipkarte. Auch die Freundlichkeit des Personals sowie Linien- und Streckennetz, Anschlüsse und Taktfrequenz werden besser bewertet. In den Metropolen steigt die Globalzufriedenheit auf 2,65. „Das VDV-Kundenbarometer zeigt: Der ÖPNV gewinnt wieder an Vertrauen, die Nutzung wächst und die Kundenzufriedenheit stabilisiert sich“, so VDV-Präsident Ingo Wortmann.
Ein Warnsignal sieht der Verband allerdings beim Preis-Leistungs-Verhältnis. Es ist das einzige untersuchte Merkmal, das sich signifikant verschlechtert hat. Besonders kritisch fällt die Bewertung bei Nutzern des Deutschlandtickets aus. Dort sank die Zufriedenheit mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis von 2,85 auf 3,11. Auch wöchentliche Nutzer zeigen sich unzufriedener als noch 2024.
Für den VDV ist damit vor allem die künftige Finanzierung entscheidend. Wachsende Nachfrage, höhere Qualitätsansprüche sowie Investitionen in Fahrzeuge, Digitalisierung und Personal ließen sich nur mit verlässlichen Mitteln absichern. Bund und Länder müssten verhindern, dass steigende Kosten entweder zu höheren Ticketpreisen oder zu einem dünneren Angebot führen. Der Verband warnt davor, erreichte Verbesserungen durch fehlende Planungssicherheit wieder zu verlieren.
Verkehrsunternehmen müssten ihr bestehendes Angebot stabil halten und dort ausbauen können, wo die Nachfrage steigt. Dazu seien mehrjährige Finanzierungsgrundlagen notwendig. „Qualität entsteht nicht von selbst. Sie braucht verlässliche Finanzierung, Planungssicherheit und Investitionen über mehrere Jahre“, sagt Wortmann. Nur dann könnten Verkehrsunternehmen Personal gewinnen, Fahrzeuge modernisieren und Leistungsausweitungen anbieten.
Das Kundenbarometer zeichnet ein zweigeteiltes Bild: Nutzung und allgemeine Zufriedenheit entwickeln sich positiv, gleichzeitig wächst die Sensibilität beim Preis. Für die Branche wird entscheidend sein, ob Bund und Länder die Finanzierung so ausgestalten, dass steigende Nachfrage nicht durch höhere Kosten und eingeschränkte Angebote wieder gebremst wird.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de