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Pro Bahn fordert mehr Umleitungsreserven

Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht in Schleswig-Holstein und Hamburg erheblichen Nachholbedarf bei der Modernisierung der Schieneninfrastruktur. Viele Ausfälle und Verspätungen seien auf veraltete Signal- und Stellwerkstechnik zurückzuführen. Im Zustandsbericht von DB InfraGO für 2025 erhält der Geschäftsbereich Fahrweg in Schleswig-Holstein die Note 3,25, in Hamburg 3,20. Besonders bei Leit- und Sicherungstechnik sieht Pro Bahn Sanierungsbedarf.

Mit Mitteln aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität sollen bis 2030 zahlreiche Maßnahmen beschleunigt werden. Der Verband warnt jedoch davor, dass die dafür notwendigen Bauarbeiten neue Engpässe verursachen können. Auf zweigleisigen Strecken droht während der Bauphasen teilweise eingleisiger Betrieb, auf eingleisigen Strecken können Vollsperrungen notwendig werden. Gleichzeitig sind viele mögliche Umleitungsstrecken selbst nur eingleisig und verfügen kaum über Reserven. Dann könnten Nahverkehrsangebote eingeschränkt oder zeitweise eingestellt werden müssen.

Als Beispiel nennt Pro Bahn die Strecke Neumünster–Bad Oldesloe. Wird Fern- und Güterverkehr aus Skandinavien dorthin umgeleitet, könne der Regionalverkehr nicht im bisherigen Umfang verkehren. „Das ist für die Einwohnerinnen und Einwohner der an der Bahnstrecke gelegenen Gemeinden und Städte kein verlässliches Angebot im Nahverkehr“, erklärt Karl-Peter Naumann vom Pro-Bahn-Landesverband Schleswig-Holstein/Hamburg.

Der Verband fordert deshalb zusätzliche Infrastrukturmaßnahmen über die bereits geplanten Projekte hinaus. Dazu zählen neue Bahnsteige und zusätzliche Kreuzungsstationen, mit denen eingleisige Strecken leistungsfähiger für Umleiterverkehre werden sollen. Konkret schlägt Pro Bahn eine neue Kreuzungsstation in Oster-Ohrstedt auf der Strecke Husum–Jübek sowie Stationen in Rickling und Fresenburg zwischen Neumünster und Bad Oldesloe vor. Auch ehemalige Kreuzungsstationen wie Timmdorf zwischen Kiel und Lübeck sollten reaktiviert und bestehende Anlagen wie Güster auf der Strecke Lübeck–Büchen–Lüneburg ausgebaut werden.

Für Hamburg nennt der Verband weitere Engpässe. Bei Sperrungen im Raum Altona könnte der Nahverkehr in Pinneberg enden, wo die vorhandenen drei Bahnsteiggleise nur begrenzte Kapazität bieten. Ein provisorischer Bahnsteig an Gleis 6 könnte dort zusätzliche Möglichkeiten schaffen.

Auch die Güterumgehungsbahn zwischen Hamburg-Eidelstedt und Abzweig Horn spielt eine wichtige Rolle. Bei Sperrungen der Verbindungsbahn dient sie als Umleitungsstrecke für Verkehre von und nach Schleswig-Holstein. Zusätzliche Kreuzungsstationen könnten dort mehr Nahverkehr auch während Baustellen und Störungen ermöglichen.

Pro Bahn fordert deshalb, Sanierung und Kapazitätsausbau gemeinsam zu planen. Nur wenn Umleitungsstrecken rechtzeitig leistungsfähiger werden, lassen sich Einschränkungen bei notwendigen Bauarbeiten minimieren.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de