Die Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) erweitert ihren digitalen Ticketvertrieb um eine neue Web2Wallet-Lösung. Das von TAF mobile entwickelte Angebot wird unter dem Namen „WalletTicket“ vermarktet und ermöglicht den Kauf von Fahrkarten ohne App oder Kundenkonto. Fahrgäste scannen dafür einen QR-Code und gelangen direkt zu einem webbasierten Ticketshop. Dort wählen sie die gewünschte Fahrkarte aus und bezahlen per Apple Pay, Google Pay, PayPal oder Kreditkarte. Anschließend wird das Barcode-Ticket unmittelbar in der Apple Wallet oder Google Wallet auf dem Smartphone gespeichert und kann bei einer Kontrolle dort vorgezeigt werden.
Die HAVAG richtet sich damit vor allem an Gelegenheitsnutzer, Touristen und Besucher von Veranstaltungen. Gerade für diese Gruppen soll der Zugang zum Nahverkehr möglichst einfach sein, ohne dass zunächst eine App installiert oder ein Nutzerkonto angelegt werden muss. Zum Start stehen eine Einzelfahrkarte sowie die 24-Stunden-Karte Plus für die Tarifzone 210 im Stadtgebiet Halle zur Verfügung. Weitere Angebote können ergänzt werden.
Ein Vorteil des Systems ist die flexible Platzierung der QR-Codes. Sie können beispielsweise an Haltestellen, Veranstaltungsorten, in Hotels, Tourist-Informationen, Flyern oder Programmbroschüren angebracht werden. Der Ticketverkauf lässt sich damit unmittelbar an den Ort verlagern, an dem der konkrete Mobilitätsbedarf entsteht.
„Gerade Gäste unserer Stadt oder Menschen, die Bus und Bahn nur gelegentlich nutzen, möchten nicht unbedingt zunächst eine App installieren oder ein Kundenkonto anlegen“, erklärt René Brandenburg, Abteilungsleiter Vertriebsprozesse bei der HAVAG. Das WalletTicket solle deshalb die bestehenden Vertriebswege gezielt ergänzen.
Technisch setzt TAF mobile auf eine webbasierte Lösung mit Motics-Unterstützung. Für regelmäßige Fahrgäste bleiben klassische Apps mit zusätzlichen Funktionen wie Fahrplanauskunft, Kundenkonto und weiteren Mobilitätsdiensten wichtig. Das neue Angebot soll dagegen vor allem den spontanen Kauf vereinfachen.
TAF sieht darin einen grundsätzlichen Ansatz für die Digitalisierung des öffentlichen Verkehrs. Digitale Vertriebslösungen sollten nicht zusätzliche Hürden schaffen, sondern den Zugang vereinfachen. „Jeder unnötige Schritt kann eine Hürde sein“, sagt TAF-Geschäftsführerin Sylvia Lier.
Für die HAVAG ist das WalletTicket deshalb kein Ersatz bestehender Apps oder anderer Vertriebswege. Es ergänzt diese um einen niedrigschwelligen Zugang für Fahrgäste, die unmittelbar eine Fahrkarte benötigen. Vor allem bei Veranstaltungen, touristischen Angeboten oder spontanen Fahrten kann ein QR-Code damit den Weg vom Informationsmedium direkt zum gültigen Ticket verkürzen. Mit dem neuen Vertriebskanal setzt die HAVAG zugleich auf eine stärkere Verzahnung von digitalem Ticketverkauf und konkretem Reiseanlass. Entscheidend wird sein, ob sich der einfache Kaufweg im Alltag bewährt und künftig auf weitere Ticketarten ausgeweitet wird.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de