Das Forschungsprojekt Automated Train hat einen wichtigen Schritt zum vollautomatisierten Bahnverkehr erreicht. Siemens Mobility hat gemeinsam mit der Deutschen Bahn sowie weiteren Partnern aus Industrie und Wissenschaft die technische Machbarkeit fahrerloser Bereitstellungs- und Abstellfahrten demonstriert. Dafür wurden neue Automatisierungsfunktionen in einen Mireo-Zug integriert.
Der Zug erhält einen Startbefehl, macht sich selbständig fahrbereit und führt die notwendigen Selbsttests durch. Danach kann er fahrerlos aus einer Abstellanlage zum Startbahnhof fahren. Während der Fahrt erkennt das Fahrzeug Hindernisse eigenständig und reagiert darauf. Auch das automatische Abstellen des Zuges gehört zum erprobten Betriebsablauf.
Technische Grundlage ist das Zusammenspiel mehrerer Systeme. Die automatische Zugsteuerung ATO übernimmt Fahrfunktionen, während das European Train Control System (ETCS) für die Sicherung zuständig ist. Hinzu kommen eine intelligente Fahrzeugsteuerung und eine Umfelderfassung mit Sensoren. Mithilfe einer digitalen Karte und einer hochpräzisen Lokalisierung kann der Zug Hindernisse erkennen und automatisch reagieren.
Eine zentrale Rolle spielt die von Siemens entwickelte Plattform AVVO, kurz für Advanced Vital Vehicle Operation. Sie übernimmt ausgewählte sicherheitskritische Funktionen und verbindet die für den automatisierten Betrieb notwendigen Systeme. Dazu gehören Fahrzeugvorbereitung, Fahrtrichtungs- und Bremssteuerung sowie die Überwachung der Zugbewegung. Bei Störungen soll das Fahrzeug automatisch in einen sicheren Zustand wechseln. Zudem ermöglicht die Plattform die Kommunikation mit der Leitstelle.
„Automated Train zeigt: Vollautomatisiertes Fahren im offenen Bahnnetz ist machbar“, erklärt Marc Ludwig, CEO Rail Infrastructure bei Siemens Mobility. Mit dem Projekt seien die wesentlichen Technologien entwickelt und in einem Mireo-Zug praktisch demonstriert worden. Neben der technischen Erprobung wurden gemeinsam mit den Projektpartnern Anforderungen und eine durchgängige Systemarchitektur für künftige vollautomatisierte Bahnsysteme erarbeitet. Diese Arbeiten sollen zugleich Grundlagen für spätere Standardisierung und Zulassung schaffen.
Aus Sicht des Bundeswirtschaftsministeriums könnten fahrerlose Zugfahrten künftig auch bei Fachkräftemangel eine Rolle spielen. Automatisierte Fahrzeuge könnten flexibler eingesetzt und bestimmte Betriebsabläufe ohne Fahrer durchgeführt werden. Das Projekt wurde als Teil des Konjunkturpakets der Bundesregierung umgesetzt und aus Mitteln der Europäischen Union im Rahmen des Deutschen Aufbau- und Resilienzplans kofinanziert.
Mit der Demonstration ist der vollautomatisierte Betrieb im offenen Netz noch kein regulärer Alltagseinsatz. Automated Train zeigt aber, dass sich Fahrzeugvorbereitung, fahrerlose Fahrt, Hinderniserkennung und Abstellung technisch zu einem durchgängigen automatisierten Ablauf verbinden lassen.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de