Im Pfalznetz beginnt der Abschied vom Diesel nun sichtbar zu werden. Am heutigen Montag sollen die ersten neuen Akkutriebzüge mit Fahrgästen zwischen Landau und Neustadt an der Weinstraße sowie zwischen Pirmasens, Zweibrücken und Saarbrücken verkehren. Gleichzeitig sichert der Zweckverband SPNV Rheinland-Pfalz Süd den Fortbestand des Reisezentrums im Bahnhof Landau. Beide Maßnahmen betreffen unterschiedliche Bereiche, zeigen aber, wie stark moderner Nahverkehr von Fahrzeugen, Infrastruktur und Service abhängt.
Der Einsatz der Akkuzüge beginnt zunächst als Probebetrieb. Zwischen Neustadt und Landau sollen voraussichtlich vier Fahrzeuge schrittweise die bisherigen Dieseltriebwagen auf der Regionalbahnlinie 51 und dem Regional-Express 6 ersetzen. Auf der Regionalbahn zwischen Pirmasens, Zweibrücken und Saarbrücken startet zunächst ein Fahrzeug. Wenn die Bauarbeiten rund um Winden wie geplant abgeschlossen werden, sollen die neuen Züge voraussichtlich ab 1. Oktober auch auf der Gesamtstrecke Neustadt – Landau – Karlsruhe verkehren.
Rund um Zweibrücken soll der Einsatz anschließend nach und nach ausgeweitet werden. Bis zum Jahresende ist vorgesehen, sämtliche Fahrten der Regionalbahnlinie 68 mit den neuen Fahrzeugen zu bedienen. Andere Teile des Pfalznetzes folgen später. Die Strecken Pirmasens – Kaiserslautern, Kaiserslautern – Lauterecken und Kaiserslautern – Kusel sollen schrittweise bis Mitte 2027 umgestellt werden. Landau – Pirmasens ist für das Frühjahr 2029 vorgesehen, Winden – Bad Bergzabern für Dezember 2029.
Der gestaffelte Zeitplan zeigt, dass der Fahrzeugwechsel allein nicht ausreicht. Auf nicht elektrifizierten Strecken müssen die Akkuzüge regelmäßig nachgeladen werden. Dafür sind an mehreren Stellen sogenannte Oberleitungsinselanlagen erforderlich. Erst wenn diese Infrastruktur zur Verfügung steht, kann der Dieselbetrieb vollständig ersetzt werden. Die Umstellung des Pfalznetzes ist damit nicht nur ein Fahrzeugprojekt, sondern zugleich ein Infrastrukturprogramm.
Die neuen Züge sollen gegenüber den bisherigen Dieseltriebwagen mehr Platz, eine bessere Beschleunigung und einen leiseren Betrieb bieten. Zur Ausstattung gehören WLAN und Fahrgastinformationen in Echtzeit. Die Fahrzeuge werden nach Angaben des Zweckverbandes mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen betrieben. Rheinland-Pfalz‘ Verkehrsminister Achim Schwickert (CDU) sieht in der Einführung einen Schritt zu einem moderneren Nahverkehr. Dietmar Seefeldt (CDU), Landrat des Kreises Südliche Weinstraße und Vorsitzender des Zweckverbandes, verweist neben den geringeren Emissionen vor allem auf die bessere Beschleunigung und die neue Ausstattung.
Parallel zur Modernisierung sichert der Zweckverband die persönliche Beratung im Bahnhof Landau ab. Über den Verkehrsvertrag für das Pfalznetz und ein Agenturmodell soll das bisherige Reisezentrum erhalten bleiben. Montags bis samstags sind insgesamt 60 Öffnungsstunden pro Woche vorgesehen. Angeboten werden Beratung und der Verkauf von Fahrkarten für Nah- und Fernverkehr.
Hintergrund ist die veränderte Rolle klassischer Reisezentren. Durch Online-Vertrieb und Deutschlandticket sind die Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf vor Ort deutlich zurückgegangen. Ohne vertragliche Absicherung könnten Verkaufsstellen unter Druck geraten. Der Zweckverband will deshalb einen Ansprechpartner im Bahnhof erhalten, insbesondere für Neukunden und Menschen, die digitale Vertriebswege nicht oder nur eingeschränkt nutzen.
Das Agenturmodell soll nach Angaben des Zweckverbandes zwischen 90 und 95 Prozent der bisherigen Leistungen eines Reisezentrums abdecken. Auch bei online abzuschließenden Abonnements und beim Deutschlandticket können Mitarbeiter unterstützen. Nicht angeboten werden Fahrkarten zu Zielen im Ausland. Andere Nebengeschäfte sind ebenfalls nicht vorgesehen; im Mittelpunkt stehen Beratung und Verkauf.
Damit entwickelt sich das Pfalznetz auf zwei Ebenen weiter. Die neuen Akkuzüge sollen den Dieselbetrieb schrittweise zurückdrängen, sind dabei aber auf den Ausbau der Ladeinfrastruktur angewiesen. Gleichzeitig bleibt mit dem Reisezentrum in Landau ein klassisches Serviceangebot erhalten, obwohl sich der Vertrieb zunehmend ins Internet verlagert. Für die Fahrgäste bedeutet die Modernisierung daher nicht nur neue Fahrzeuge, sondern auch die Verbindung technischer Erneuerung mit persönlichem Service.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de