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Leipzig: Lehren aus Hitzeschäden

Nach den schweren Hitzeschäden im Sommer 2026 wollen die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) ihre Gleisinfrastruktur besser gegen extreme Temperaturen absichern. Ein Abschlussbericht von TÜV SÜD Rail kommt zu dem Ergebnis, dass nicht ein einzelner Auslöser, sondern das Zusammenwirken mehrerer Faktoren zu den Schäden geführt hat. Ende Juni waren rund 36 Kilometer Gleisnetz durch ausgetretenes Fugenbitumen verunreinigt worden. Der Straßenbahnbetrieb musste zeitweise eingestellt werden.

In Leipzig wurden Ende Juni Lufttemperaturen von mehr als 40 Grad gemessen, an Schienen und Fugen lagen die Temperaturen nach Angaben der LVB bei über 70 Grad. Der entstandene Schaden wird auf bis zu 4,5 Millionen Euro beziffert. Für die Untersuchung nahm TÜV SÜD Rail Fugen aus unterschiedlichen Baujahren und von verschiedenen Baufirmen in Augenschein, prüfte Planungs- und Bauunterlagen und analysierte das eingesetzte bituminöse Fugenmaterial im Labor.

Als wesentlicher Rahmenfaktor gilt die langanhaltende Hitzeperiode. Hinzu kamen Belastungen der Gleise durch Auto-, Lkw- und Busverkehr. Der Bericht empfiehlt, bituminöse Fugenmasse weiterhin zu verwenden, den Einbau aber stärker zu kontrollieren und besser zu dokumentieren. Künftig sollen die Fugen unter anderem tiefer unterhalb des Schienenkopfs eingebaut werden. Zusätzlich wird derzeit untersucht, ob Kunststoffgranulat in der Fugenmasse verhindern kann, dass Material an Reifen und Rädern haftet.

„Für das festgestellte Schadensbild konnte kein einzelner Einflussfaktor als Ursache identifiziert werden“, erklärt Ian Veigl von TÜV SÜD Rail. Zugleich sieht der Bericht Verbesserungspotenzial bei der Einbaudokumentation. Die Ergebnisse fließen nun in den Hitzeplan der LVB und in neue Grundsätze für klimaresilientes Bauen ein.

Der zweistufige Plan sieht bei Temperaturen ab 33 beziehungsweise 38 Grad zusätzliche Kontrollen, Kühlmaßnahmen und im äußersten Fall die Sperrung einzelner Strecken vor. Nach Angaben der LVB wurde der Plan bereits im Juli eingesetzt. Die Wiederaufnahme des Verkehrs im Sommer gelang nur schrittweise. Fast 2.000 Menschen waren nach Angaben des Unternehmens daran beteiligt, die verunreinigten Schienen zu reinigen. Erst im Juli konnte das vollständige Linienangebot wiederhergestellt werden.

Ein Großteil der beschädigten Fugen soll bis zum Jahresende erneuert sein. Dafür kann es weiterhin zu kurzfristigen Sperrungen kommen. Die LVB wollen die Erfahrungen aus Leipzig zugleich mit anderen Verkehrsunternehmen, Hochschulen, Planungsbüros und Bauunternehmen teilen. Ziel ist es, die Infrastruktur stärker auf häufiger auftretende Hitzeperioden vorzubereiten.

Auch andere europäische Städte wie Budapest, Nürnberg und Essen hatten mit vergleichbaren hitzebedingten Schäden zu kämpfen. Für die LVB ist die Anpassung der Infrastruktur deshalb keine kurzfristige Reparaturaufgabe, sondern Teil einer langfristigen Klimaanpassungsstrategie.

Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
Siegfriedstr. 24a
58453 Witten
Quelle: Zughalt.de