Der Fahrgastverband Pro Bahn lehnt eine Reservierungspflicht im deutschen Fernverkehr ab. Hintergrund sind Überlegungen von DB-Chefin Evelyn Palla, den ICE weiterzuentwickeln und dabei auch Konzepte aus anderen europäischen Ländern zu prüfen. In Frankreich, Italien und Spanien ist die Nutzung vieler Hochgeschwindigkeitszüge nur mit reserviertem Sitzplatz möglich.
„Ein Aushängeschild bleibt der ICE aber nur, solange jeder mit gültiger Fahrkarte einsteigen kann“, erklärt Pro-Bahn-Bundesvorsitzender Lukas Iffländer. Einen Reservierungszwang lehne der Verband auf allen Strecken ab. Als zentrales Problem nennt Pro Bahn die weiterhin schwache Pünktlichkeit im Fernverkehr. Im ersten Halbjahr 2026 erreichten nur 58,7 Prozent der Fernzüge ihr Ziel pünktlich.
Verpasst ein Fahrgast dadurch seinen Anschluss, müsste er bei einer Reservierungspflicht für den nächsten Zug erneut buchen – vorausgesetzt, dort sind noch Plätze frei. Besonders kritisch wäre das am Tagesrand. Ist der letzte ICE bereits ausreserviert, könnte ein Fahrgast nach einer Verspätung trotz gültigem Ticket nicht mehr mitfahren. Pro Bahn warnt deshalb, die Folgen mangelnder Pünktlichkeit auf die Reisenden zu verlagern.
Auch für flexible Angebote sieht der Verband Probleme. Flexpreis, BahnCard 100 und Zeitkarten leben davon, dass Fahrgäste bei Bedarf den nächsten Zug nutzen können. Eine Reservierungspflicht würde diesen offenen Zugang einschränken.
Stefan Hennigfeld
Redaktioneller Leiter
Zughalt e.V.
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Quelle: Zughalt.de